„Wir können uns von der DDR-Bauweise eine Platte abschneiden“

Der „Tagesspiegel“ schreibt:

Der Architekt Martin Maleschka erforscht das baukünstlerische Erbe der DDR. Ein Gespräch über Wohnungsbau und verlorene Kunst in Großsiedlungen wie Marzahn.

Herr Maleschka, im Berliner Nordosten reihen sich auf vielen Quadratkilometern ein Plattenbau an den nächsten. Würde man die Berliner fragen, würden wohl viele am liebsten die Abrissbirne bestellen. Sie nicht, woher kommt Ihre Liebe für die Platte?

Ich bin selbst in einer Platte aufgewachsen, sie ist meine Heimat, sozusagen. Eine verlorene Heimat allerdings: 2004 wurde das Gebäude in meiner Heimatstadt Eisenhüttenstadt abgebrochen und nun suche ich diese verlorene Architektur bis heute in anderen Städten.

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Deutschlands allererste Platte: Die Splanemann-Siedlung war der Versuch industriellen Wohnungsbaus

Die „Berliner Woche“ schreibt:

Zwischen Plattenbauten, Bahntrasse, Kleingärten und Gewerbehöfen wirken die hübschen roten Häuser fast ein wenig fehl am Platz. Dabei verdient die Splanemann-Siedlung in Friedrichsfelde-Süd eigentlich besondere Aufmerksamkeit. Das Ensemble aus den späten 1920er-Jahren gilt als erster Versuch industriellen Wohnungsbaus in Deutschland – im Prinzip war‘s ein Testlauf für die Platte.

In vielen Produktionszweigen hatte sich die Industrialisierung schon Anfang des 19. Jahrhunderts vollzogen, die Wohnungsnot nach dem ersten Weltkrieg erforderte nun auch für den Wohnungsbau ein effektiveres Arbeiten.

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Die Platte kommt zurück

Via „Neues Deutschland“:

Verbände wollen Wohnungsmangel mit seriellem Bauen bekämpfen

Mit einer am Dienstag in Berlin unterzeichneten Rahmenvereinbarung zwischen den Spitzenverbänden der Bau- und Wohnungswirtschaft und dem Bundesbauministerium soll der Einsatz serieller und modularer Bauweisen für den Wohnungsbau flächendeckend etabliert werden. Dabei bedeutet serielles Bauen, dass Häuser am Ort nicht Stein für Stein errichtet werden, sondern dass – ähnlich wie bei der Plattenbauweise – fertige Komponenten verwendet werden.

Grundlage der Vereinbarung ist eine europaweite Ausschreibung für Musterbauten auf Grundlage vorgefertigter Bauteile, deren Ergebnisse ebenfalls am Dienstag präsentiert wurden. Neun der rund 50 von Unternehmen und Bietergemeinschaften eingesandten Entwürfe erhielten den Zuschlag. Nach der Erteilung der Typenbaugenehmigungen können Wohnungsunternehmen in ganz Deutschland die in dem Katalog enthaltenen Bautypen zu Festpreisen bestellen und ohne weitere Ausschreibung realisieren.

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40 Jahre Marzahn: Die fünf Gesichter des Bezirks

40 Jahre Platte: #Marzahn ist wieder gefragt:

Vor ein paar Tagen bin ich losgezogen, um die Wahrheit über Marzahn zu finden. Ein Leser hatte mich auf die Idee gebracht. Er regte sich darüber auf, dass ich eine Frau mit dem Satz zitiert hatte, sie ziehe niemals nach Marzahn. Warum ich das einfach so übernehme, fragte der Leser, warum ich nicht nachfrage. Ein anderer warf mir Marzahn-Bashing vor.

Es war ein interessanter Vorwurf, denn als Kind hätte ich alles gegeben, um nach Marzahn zu ziehen. Wir wohnten am Nöldnerplatz, das Haus befand sich auf einem Hof mit Kohlenhaufen, morgens wurde ich vom Schippen der Heizer wach, wenn meine Mutter die Fensterbretter abwischte, waren sie schwarz vom Ruß.

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Marzahn: Die neue Seite der Plattenbauten

Sehr lesenswerter Artikel der Berliner Morgenpost zur Neu- und Umgestaltung von Plattenbauvierteln in Marzahn und anderswo:
 
Marzahn. Wer in Berlin mit der S-Bahn nach Marzahn fährt, sieht das Plattenbaugebirge schon von Weitem. Es hat Ähnlichkeit mit dem Vorort einer US-amerikanischen Stadt: autogerecht gebaut, aneinandergereihte Hochhäuser zwischen Grünflächen, eine Shopping Mall, Fast-Food-Lokale und Discounter. Der Weg zu Fuß zur Adresse von Shirley Langfeld und Marco Heizmann, die in ihre Wohnung einladen, führt an einer vierspurigen Straße entlang zu einem von Autos voll geparkten Platz. Sie wohnen in einem Hochhaus, einer WBS-70-Platte mit knallfarbiger Fassade. Im 21. Stock bewohnt das junge Paar eine 100-Quadratmeter-Wohnung, die durch versetzte Wände aus zwei kleineren Wohnungen zusammengelegt wurde.
 
 

40 Jahre Marzahn: Europas größte Plattensammlung

Der „Tagesspiegel“ berichtet:
Während der Bauphase lebten die Leute in einer Schlammwüste, genossen aber die modernen Wohnungen. Heute wird der einstige DDR-Vorzeigebezirk wieder beliebter.
Zum Gründungsmythos der Großsiedlung Marzahn gehört eine Betonplatte, natürlich. Verwittert steht sie an der Allee der Kosmonauten und zeigt die Kontur von Peter Zeise. Der Arbeiter einer Montagebrigade soll vor 40 Jahren das Signal gegeben haben für das große städtebauliche Projekt im Osten der Stadt. Die Umrisse der ausgefrästen Figur erinnern zugleich an den Modulor, das Proportionsschema des Architekten Le Corbusier: Das menschliche Maß, es sollte sich harmonisch durch jedes neue Haus ziehen. Am 8. Juli 1977 wurde die erste Platte auf die Felder gesetzt.“

Plattenbauten: Ich war mal eine Platte

Zwei-Raum-Wohnung: Monotonie mag ihr Image sein, aber den einen Typ Platte gibt es nicht:

In der DDR gefeiert, nach der Wende verschmäht: Architekten entdecken die Plattenbauten neu. Kommt jetzt das Comeback?

Der Architekt Martin Maleschka verliert die Orte seiner Kindheit. Drei Häuser aus seiner frühen Erinnerung sind bereits dem Abrissbagger zum Opfer gefallen: Plattenbauten. Also griff er sich seine Kamera, seit 2005 hält er Plattenbauten in ganz Ostdeutschland fest – und rettet sie so zumindest ein wenig vor dem Verschwinden. Mehr als tausend hat er bereits in seiner Sammlung. Maleschkas Erklärung: „Ich hatte stets eine enge Verbindung zur Platte.“

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Auswege aus der Wohnungsnot: Kiek ma, unsere Platte soll’s richten

Der „Berliner Kurier“ schreibt:

Berlin – Es ist doch nicht alles schlecht, was aus der DDR kam! Zu dieser Erkenntnis kommen plötzlich Bauexperten, der Bund und das Land Berlin. Auf einmal haben sie die Liebe zu den Plattenbauten entdeckt, die im Arbeiter- und Bauernstaat massenweise entstanden. Jetzt will man die gute alte „Platte“ wiederbeleben, um mit ihr die Wohnungsnot in den deutschen Großstädten wie Berlin zu bekämpfen.

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