Les Oubliés – Die politisch Verlassenen

Viele Menschen in strukturschwachen Regionen mit hohem Anteil rechtspopulistischer Wähler fühlen sich von der Politik verlassen. Das befindet die erste Studie ihrer Art zu den letzten Wahlen in Deutschland und Frankreich: 500 Haustürgespräche zeigen auf, welche Herausforderungen die Befragten in ihrem Alltag haben und warum oftmals die sozialpolitischen Bedingungen – und nicht etwa Fremdenfeindlichkeit – Grund ihres Unmuts und ihrer Zukunftsängste sind. Basierend auf den authentischen Schilderungen der Menschen entschlüsselt die Studie „Rückkehr zu den politisch Verlassenen“ deren Deutungsmuster und macht sie zugänglich für Handlungsempfehlungen, die darauf abzielen, das Vertrauen dieser Bevölkerungsgruppen zurückzugewinnen.
 
— Der Kurzfilm „Les Oubliés – Die politisch Verlassenen“ entstand im Zuge der Studienerstellung. Er wurde von der Snice-Filmproduktion erstellt und von der Alfred Herrhausen Gesellschaft gefördert.

„Kaum Angst vor Überfremdung“

Die „Zeit“ u.a. Medien berichten über die neue Studie „Rückkehr zu den politisch Verlassenen“:

Einfach mal an 5.000 Türen klingeln, wo viele AfD wählen und wenig verdienen: Johannes Hillje weiß, was passiert, wenn man mit den Menschen redet – statt über sie.

Duisburg-Neumühl, Eisenhüttenstadt, Marzahn-Hellersdorf: Das Forscherteam um Johannes Hillje hat an 5.000 Türen in sozial schwachen Regionen geklingelt, in denen die AfD besonders große Wahlerfolge erzielt hatte. 500 haben aufgemacht und mit ihm über das Gefühl gesprochen, abgehängt zu sein, über Vertrauen in die Politik und die Ablehnung von Flüchtlingen. Die gute Nachricht: Die Menschen zeigten sich kaum rassistisch, auch waren die meisten proeuropäisch. Sie wollen keine Grenzschließungen, sondern besseren Nahverkehr und mehr Läden um die Ecke. Aber: Das Politiksystem müsste sich grundlegend wandeln, um das Vertrauen dieser Menschen zurückzugewinnen.

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Siehe auch:

In Hochburgen von Rechtspopulisten grassieren Abstiegsängste

Menschen in AfD-Hochburgen fühlen sich von der Politik alleingelassen

AfD-Hochburgen: „Es herrscht ein Gefühl des Verlassenseins“

Zur Studie:

In rechtspopulistischen Hochburgen herrscht ein Gefühl des Verlassenseins

15.3.2018 Pressegespräch in Berlin: Vorstellung einer Studie zu den Ursachen rechtspopulistischer Wahlerfolge

Was motiviert Wählerinnen und Wähler in strukturschwachen Regionen, einer rechtspopulistischen Partei ihre Stimme zu geben? Dazu wurden in Deutschland und Frankreich 500 Haustürgespräche geführt – unter anderem in Berlin-Marzahn, Eisenhüttenstadt und Gelsenkirchen-Ost sowie im Großraum Calais und Marseille. Der Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje stellt die Studie am Donnerstag um 10.30 Uhr im „Progressiven Zentrum“ vor. Hierfür können sich Journalisten per E-Mail (paulina.froehlich@progressives-zentrum.org) anmelden. Im Anschluss daran diskutieren Markus Nierth, Ex-Bürgermeister von Tröglitz, die Journalistin Mariam Lau von der „Zeit“ und Andreas Görgen vom Auswärtigen Amt ab 12.30 Uhr auf einem Podium über die Ergebnisse.
 

Mittelmeer-Fluchtroute: Weniger Ankünfte, mehr Tote

Der „Mediendienst Integration“ berichtet:

Viele Flüchtlinge wollen Libyen verlassen, weil ihnen dort Gefangenschaft, Gewalt und Sklaverei droht. Doch libysche Milizen hindern sie daran, in See zu stechen. Zugleich wird die Überfahrt in Richtung Europa riskanter. Denn seit dem Herbst patrouillieren zwischen Libyen und Italien nur wenige Schiffe. Zivile Seenotretter mussten sich zurückziehen. Die Zahl der Toten steigt.

Rund 120.000 Menschen sind im vergangenen Jahr über die zentrale Mittelmeer-Route aus Nordafrika nach Italien gelangt. Die meisten von ihnen kamen in der ersten Jahreshälfte. Ab Juli 2017 ging die Zahl plötzlich stark zurück – von rund 23.000 im Juni auf zunächst 11.000 im Juli und später auf knapp 4.000 im August. Seitdem ist die Zahl fast konstant geblieben.

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Russland: Platte Versprechungen

Ein Blick nach Russland. Interessant, wie dort die Stadtumstrukturierung in den großen Plattenbausiedlungen von Moskau aussieht:
 
In Moskau, aber auch in anderen Städten, sollen Tausende Wohnhäuser abgerissen werden, angeblich um Platz für moderne Bauten zu machen. Millionen Menschen sollen umgesiedelt werden. Wer Glück hat, bekommt eine größere Küche. Wer Pech hat, landet am Stadtrand ohne ausreichende Infrastruktur.

Armut wegsanieren? Auswirkungen der Erneuerung der armen Stadtteile Frankreichs auf die Bewohner/innen

Ein durchaus spannender Blick nach Frankreich:
 
Die Stadterneuerungspolitik in Frankreich ist geprägt von der Abrisssanierung der vor allem von marginalisierten Bevölkerungsgruppen bewohnten Stadtteile. Unter dem Stadtplaner Georges-Eugène Haussmann fanden in Paris Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Flächensanierungen statt, die heute als „Haussmannisierung“ bekannt sind. Eine zweite Welle von Abrisssanierungen erfolgte in den 1960er Jahren unter Charles de Gaulle. Mit dem Ziel der „sozialen Mischung“ werden seit 15 Jahren nun wieder Mietshäuser abgerissen.

„Die Linke müsste meine Eltern ansprechen, ohne soziorassistisch zu sein“

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet:

Der französische Schriftsteller Édouard Louis ist schwul und links, seine Eltern „reaktionär, misogyn und homophob“, wie er sagt. Trotzdem kann er verstehen, warum sie am Sonntag den Front National wählen wollen.

Interview von Alex Rühle

Édouard Louis wurde 1992 als Eddy Bellegueule in Hallencourt, einem Dorf der französischen Picardie, geboren. Sein Vater war lange arbeitslos und verdient heute sein Geld als Straßenfeger. Seine Mutter durfte nach dem Willen des Vaters nicht arbeiten. Louis‘ autobiografischer Roman „Das Ende von Eddy“ (Fischer-Verlag) gilt als Buch der Stunde. Kurz vor dem Gespräch in einem winzigen Pariser Café hat er mit seiner Mutter telefoniert. Sie wird bei der Wahl am Sonntag den rechtsextremen Front National wählen.

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Libysche Küste: 250 Tote bei Flüchtlingskatastrophe befürchtet

Die „Berliner Zeitung“ schreibt:

Rom – Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR befürchtet, dass bei einem Bootsunglück auf dem Mittelmeer bis zu 250 Menschen ums Leben gekommen sein könnten. „Eine Tragödie, ein kollektives Scheitern“, twitterte die UNHCR-Sprecherin Carlotta Sami am Donnerstagabend.

Zuvor hatten private Rettungsorganisationen von zwei Schlauchbooten gesprochen, die vor der Küste Libyens gekentert seien. Fünf Tote seien geborgen worden, sagte eine Sprecherin der Retter von Pro Activa Open Arms. Der restlichen Menschen seien „verschwunden“. Auf jedem Boot könnten mehr als 120 Menschen gewesen seien, da Schlepper die Schiffe oft überladen würden.

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Frankreich: Flächenbrand in der Banlieue verhindert

Wie schnell die explosive Mischung von sozialer Benachteiligung, Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe und Rassismus in Gewalt und Unruhen umschlagen können, zeigen immer wieder Vorfälle in den französischen Banlieues (=Großsiedlungen) in den Vorstädten der Pariser Metropolen. Das zeigt einmal mehr wie wichtig eine gute Integrationspolitik gerade auch hierzulande in Stadtteilen mit einem hohen Anteil sozial Benachteiligter wie beispielsweise in Marzahn-Nord und Hellersdorf-Nord ist! Das Projekt Ponte versucht hierzu einen kleinen Beitrag zu leisten.

Zum Bericht der „Frankfurter Rundschau“ zu den aktuellen Ereignissen in Frankreich:

Paris. –  Es hätte der Funke sein können, der einen Flächenbrand auslöst. Wie schon 2005, als in der Pariser Banlieue zwei Jugendliche mit schwarzer Hautfarbe auf der Flucht vor der Polizei tödlich verunglückt waren, was wochenlange schwere Unruhen nach sich zog, begann es auch diesmal mit einer Ausweiskontrolle. Vier Polizisten fragten in der Pariser Vorstadt Aulnay-sous-Bois einen jungen Schwarzen namens Théo nach seinen Papieren. Was folgte, lässt schaudern. Eine Überwachungskamera hat es festgehalten.

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Flüchtlinge: Konturen der Festung Europa, zugleich die Unwahrscheinlichkeit einer europäischen Lösung und die kommenden Lager jenseits des Mittelmeers

Via „Aktuelle Sozialpolitik“:

Die ganze Welt und vor allem die Berichterstattung ist gefangen von den sich überschlagenden Ereignissen in den USA. Die ersten Maßnahmen des neuen Präsidenten Donald Trump verheißen tatsächlich den Versuch einer Umsetzung seiner Wahlversprechen auf Kosten „der anderen“ – darunter auch von Menschen, die in den USA Zuflucht suchen wollen. Die sollen draußen bleiben (müssen). Ob das nun über eine Mauer an der mexikanischen Grenze oder aber über ein kollektives Einreiseverbot für Menschen mit einer bestimmten Staatsangehörigkeit erreicht werden soll – die Botschaft bleibt die gleiche: Abschottung. Grenzziehung. Ausschluss. Und immer wieder verweist der neue Präsident auf die angeblich schrecklichen Zustände, die in Europa herrschen sollen wegen der vielen Flüchtlinge.
Dabei wird in Europa die Empörung über die USA selbst als heuchlerisch bezeichnet: Europas unsichtbare Mauer, so ist der Kommentar von Doris Akrap überschrieben: Donald Trump »könnte, wenn er wollte, ja mal nachfragen, wie die EU ihre unsichtbare Mauer an der Mittelmeerküste eigentlich nennt – und wie viele Flüchtlinge die EU dieses Jahr schon im Mittelmeer hat absaufen lassen.«

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