„Chemnitz ist ein kleiner Bürgerkrieg“

Der „Deutschlandfunk“ berichtet:

Immer wieder werden Migranten in Chemnitz von Neonazis angegriffen. Vor allem nach den Demos der Rechtsradikalen, die mittlerweile jeden Freitag stattfinden, kommt es zu Übergriffen. Viele Flüchtlinge fürchten um ihr Leben und würden die Stadt am liebsten verlassen.

Am Schlossteich, einem idyllischen Park in der Innenstadt von Chemnitz, läuten abends die Glocken. Der Iraner Farhad Keshavarzi, 26, erinnert sich an Freitagabend, den 14. September. Immer wieder seufzt er tief. Keshavarzi saß mit fünf Freunden auf der Schlossteichinsel. Ein Trupp von 20 bis 30 schwarz gekleideten Männern, bewaffnet mit Quarzhandschuhen und Elektroschocker, kontrollierte bei anderen die Ausweise – und kam dann zu ihm.

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Chemnitz-Köthen-Chemnitz: Wo sind die Betroffenen? Wo ist der Staat?

Via „Migazin“:

Die Gefährdung des Rechtsstaats und der Demokratie liegt darin, dass sich der Staat unfähig oder unwillig zeigt, Minderheiten zu schützen. Und hier mangelt es auch in der Zivilgesellschaft und linken Kreisen eindeutig an Solidarität.

Es ist eine Nachricht, die schon kaum mehr überrascht: Sechs festgenommen Neonazis aus Chemnitz und Umgebung, die scheinbar recht konkret Angriffe auf „Ausländer“, Politiker und linke Aktivisten planten. Festgenommen wurden sie schon vor mehreren Wochen als Teil einer selbst ernannten „Bürgerwehr“, die Menschen schikanierte und tätlich angriff, die ihrer Auffassung nach ausländisch wirkten.

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Hamburg: Buntes Demo-Fest gegen Rassismus

Via „Migazin“:

Rund 20.000 Menschen haben in Hamburg für eine humanere Flüchtlingspolitik demonstriert. Rund 450 Organisation und Initiativen hatten zu der antirassistischen Parade „United Against Racism“ aufgerufen.

Es wirkte wie ein buntes Fest: Mehrere tausend Teilnehmer haben am Sonnabend in Hamburg für einen Abschiebestopp, sichere Fluchtwege und ein Bleiberecht für Flüchtlinge demonstriert. Die Polizei sprach von 20.000 Teilnehmern, die Veranstalter der Demonstration gegen Rassismus von mehr als 30.000. Bis zum Ende der Kundgebung blieb es nach Angaben der Polizei friedlich. Auch zahlreiche Kinder hatten mit ihren Eltern an der Demo teilgenommen.

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Studie: CDU und CSU erstmals beliebteste Parteien bei Migranten

Das „Migazin“ berichtet:

Einer aktuellen Studie zufolge haben sich die Parteipräferenzen von Migranten stark gewandelt. Sie bevorzugen nicht mehr die Parteien links der Mitte. Insbesondere die SPD hat bei den Türkeistämmigen die SPD an Beliebtheit verloren.

In Bayern und Hessen stehen Landtagswahlen vor der Tür. Der SVR-Forschungsbereich hat deutschlandweit Migranten befragt, welche Partei ihnen am besten gefällt. Dabei zeigt sich im Vergleich zur Untersuchung von 2016 ein deutlicher Wandel: Die bei Zuwanderern beliebteste Partei ist nicht länger die SPD mit 25 Prozent, sondern die CDU bzw. die CSU mit 43,2 Prozent. Es folgen Die Linke (10,1 Prozent), Die Grünen (10,0 Prozent) und die FDP (5,2 Prozent).

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Integration von Zuwanderern: Ein Land bleibt cool

Der „Spiegel“ schreibt:

Die Integration von Migranten gilt als Jahrhundertaufgabe, nun zeigt eine umfassende Studie: Die Haltung der Bürger dazu hat sich seit 2015 kaum verändert. Skeptisch sind vor allem Ostdeutsche – und Männer.

Wer in den vergangenen Monaten die Nachrichten verfolgte, begegnete ihr überall: dieser offenbar weitverbreiteten, diffusen Angst – vor Zuwanderern, Muslimen, eigentlich allem Fremden. Wenig war die Rede von wirtschaftlichen oder kulturellen Vorteilen einer Einwanderungsgesellschaft, stattdessen fielen häufig Begriffe wie „Invasoren“, „Asylindustrie“, „Islamisierung“.

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„Der Kollaps der ostdeutschen Gesellschaft war umfassend“

Wir dokumentieren die Besprechungen und Diskussionen zu Wolfgang Englers und Jana Hensels neuem Buch „Wer wir sind: Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein“:

Wer über den Osten nachdenkt, landet bei der DDR. Falsch, sagen Jana Hensel und Wolfgang Engler. Der Schlüssel zum Verständnis der ostdeutschen Gesellschaft sei die Nachwendezeit – die Überschattung der Demokratieerfahrung durch die Erfahrung der Brüchigkeit.

Was bedeutet es, ostdeutsch zu sein? Im Folgenden dokumentieren wir einen Ausschnitt aus dem Gespräch im Deutschlandfunk Kultur mit Autorin Jana Hensel und Publizist Wolfgang Engler. Beide haben sich in ihren Büchern mit ostdeutschen Identitätsfragen beschäftigt und jetzt gemeinsam den Band „Wer wir sind: Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein“ publiziert.

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Siehe auch:

„Auch die AfD wird den Osten enttäuschen“ (21.9.2018, Frankfurter Rundschau)

Wie wir zu Ostdeutschen wurden (16.9.2018, Zeit)

Köthen in Sachsen-Anhalt: Eine Tat verändert eine Stadt

Der „Tagesspiegel“ berichtet über die Ereignisse in „Köthen“:

Die Kleinstadt Köthen ist zur Chiffre geworden. Wie zuvor Chemnitz, Kandel, Freiburg. Seit Markus B. hier starb, erfasst die Wut auch seine Freunde.

Am Dienstagnachmittag gegen 16 Uhr, eine Stunde vor der nächsten Gedenkveranstaltung, steht eine 17 Jahre altes Mädchen vor Köthens Jakobskirche und erzählt von einem ihrer Freunde. Jenem Freund, dem die Gedenkveranstaltung gilt. Die 17-Jährige sagt, er sei ein hilfsbereiter Mensch gewesen, nicht zu laut, nicht zu leise. Jemand, der seine Freunde mit lustigen Bildern aus dem Internet versorgte.

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Siehe auch:

Antifaschistische Arbeit in Chemnitz: Den Menschen zuhören (23.9.2018, taz)

Analyse Männer in Ostdeutschland: Der marode Mann (23.9.2018, taz)

Angriff auf Linken-Büro am Rande von Pro-Chemnitz-Demo (22.9.2018, Spiegel Online)

Der angebliche „Trauermarsch“ in Köthen mit Elsässer, Poggenburg und Neonazis (17.9.2018, Beltower News)

Köthen: Eine Stadt duckt sich weg (17.9.2018, Zeit)

Woher kommt die Wut in Ostdeutschland? (17.9.2018, Tagesspiegel)

Solidarität, endlich (16.9.2018, Zeit)

Ehemalige DDR: Der Osten lässt mich nicht los (14.9.2018, Zeit)

Rechtsextreme planen Festival in Köthen – Hassgesang statt Trauer (14.9.2018, taz)

Nennt sie Faschisten (13.9.2018, Zeit)

Die Drahtzieher der rechten Märsche (13.9.2018, Deutsche Welle)

Forscher: Appelle an die Zivilgesellschaft reichen nicht (13.9.2018, Deutschlandfunk)

Forschung zu Radikalisierung: Zunehmend feindliches Gegenüber (13.9.2018, Deutschlandfunk)

AfD und Pegida in Köthen: Rechter Aufmarsch geplant (12.9.2018, taz)

Köthen: Aufgeheizte Stimmung und Kritik an der Polizei (12.9.2018, Deutschlandfunk)

Chemnitz und Köthen „100 vermummte Personen (rechts) suchen Ausländer“ (12.9.2018, Tagesspiegel)

Es gibt eine rechte Szene auch in Köthen (12.9.2018, mdr)

Proteste in Köthen: Das gespaltene Ostdeutschland (11.9.2018, mdr)

Jugendarbeiter über Rechtsextremismus: „Wir sind nicht mehr“ (11.9.2018, taz)

Integration nur mit eigener Wohnung möglich

Das „Migazin“ schreibt:

Ohne geeigneten Wohnraum ist Integration kaum möglich, ist Migrationsexpertin Julia Wellmann überzeugt. Flüchtlinge haben es bei der Wohnungssuche aber schwer. Die Expertin sieht Kommunen und Städte in der Pflicht. Von Lynn Osselmann

Flüchtlinge haben es nach Aussage der Migrationsexpertin Julia Wellmann bei der Wohnungssuche besonders schwer. Integration sei aber nur möglich, wenn ihnen geeigneter Wohnraum zur Verfügung gestellt werde, sagte die Koordinatorin des Kölner Projekts „Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit“ (samo.fa) dem „Evangelischen Pressedienst“. „Eigener Wohnraum ist die Voraussetzung dafür, anzukommen und sich zu Hause zu fühlen.“

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Jugend und Politik: Und was ist mit uns?

Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt:

Unsere Autorin macht mit benachteiligten Jugendlichen Schreibwerkstätten. Und merkt seit Jahren, dass sich diese Menschen von der Politik völlig verlassen fühlen. Ein Drama in zehn Szenen.

„Ich finde es nicht gut, dass die Flüchtlinge, wenn sie nach Deutschland kommen, alle ein Smartphone bekommen“, beschwert sich eine Schülerin in einer Kleinstadt in Hessen. Ich bin zu einer Literaturwerkstatt eingeladen, wie ich sie seit über zehn Jahren im deutschsprachigen Raum gebe, besonders für benachteiligte junge Menschen. An diesem Nachmittag haben mich die Schüler gefragt, ob wir uns mal über Politik unterhalten könnten, das würde sonst keiner mit ihnen machen. Die Schüler, Schulverweigerer, sollen hier ihre letzte Chance nutzen, um einen Schulabschluss nachzuholen. Einige von ihnen waren, angeblich von Schulen und Eltern unbemerkt, fast zwei Jahre lang nicht mehr in eine Schule gegangen. Alle wissen, was Armut bedeutet. Sie tragen teilweise die gesamte Verantwortung für ihre nicht intakten Familien. Zukunftschancen rechnet sich hier keiner aus.

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Monokultur war gestern

Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt:

Deutschland, ein Einwanderungsland – der Satz war einmal revolutionär. Heute ist er schlichter Alltag.

In Deutschland können Dinge gesagt werden, die noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen wären. Menschen, die nicht typisch deutsch aussehen, werden von Politikern zu potenziellen Kriminellen erklärt; die Tatsache, ein Einwanderungsland zu sein, wird wieder infrage gestellt. Die Debatte über den ehemaligen Nationalspieler Mesut Özil hat gezeigt, wie schwer wir uns damit tun, Menschen ohne Wenn und Aber als Deutsche zu akzeptieren, selbst, wenn sie in Deutschland aufgewachsen sind. Die Migration, hat Bundesinnenminister Horst Seehofer gesagt, sei die „Mutter aller politischen Probleme“. Er trifft die Stimmungslage vieler Bürger.

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