„Der Begriff ‚Rechtspopulismus‘ ist viel zu verharmlosend“

„Deutschlandfunk Kultur“ berichtet:

Was die AfD erfolgreich mache, sei ihr „autoritärer Nationalradikalismus“, sagt der Soziologe Wilhelm Heitmeyer. Der sei besonders problematisch, weil er darauf abziele, Institutionen zu destabilisieren, die wichtig für die Gesellschaft seien.

Deutschlandfunk Kultur: Sie gehen davon aus, Herr Heitmeyer, dass die offene Gesellschaft, ja die liberale Demokratie, durch die politische Rechte bedroht ist. Die wiederum lockt mit autoritären Versuchungen, so sagen Sie. Was heißt denn das genau, „autoritäre Versuchungen“?

Wilhelm Heitmeyer: Nun, es geht darum, dass vor allem vor dem Hintergrund eines globalen Kapitalismus mit einem rabiaten Finanzkapitalismus und sozialen Desintegrationsprozessen und einer ja Variante von Demokratieentleerung zahlreiche Verunsicherungen in größere Teile der Gesellschaft eingezogen sind. Und das Autoritäre ist dann der Versuch, die Kontrollverluste, die entstanden sind, wieder herzustellen über autoritäre Maßnahmen, also eine Wiederherstellung von Kontrolle. Und das ist offensichtlich attraktiv für Teile – das muss man immer wieder betonen – der Gesellschaft.

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Wie Rechtsextreme vielen Ostdeutschen ein neues Wir-Gefühl verschafft haben

Via „Huffingtonpost“:
Pegida, AfD und Neonazis bieten ein Lebensgefühl und schaffen Identität. Dagegen sind Demokraten bisher hilflos.
Wir müssen über ein Vorurteil reden: Über das Vorurteil, dass der Osten rechts ist.
Natürlich stimmt das so nicht. Es gibt dort viele Menschen, die wichtige Arbeit leisten im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Menschenhass. Und bei Wahlen haben radikale Kräfte bisher keine Mehrheit bekommen.
Und doch hat auch dieses Vorurteil einen wahren Kern. Im Osten Deutschlands gibt es nicht nur verhältnismäßig mehr AfD-Wähler als im Westen, mehr rechte Gewalttaten und eine verhängnisvolle Neigung zu autoritären Gesellschaftsmodellen.

Jérôme Boateng über Rassismus: „Es gibt Orte, an die ich meine Töchter auf keinen Fall lassen würde“

Der „Spiegel“ berichtet:

Jérôme Boateng hat in einem Interview über seine Erfahrungen mit Rassismus in Deutschland gesprochen. Kritisch sieht er den Umgang des Nationalteams mit Mesut Özil.

Er wurde in seiner Karriere rassistisch beschimpft, beleidigt und bespuckt. Als Kind, aber auch heute hat er noch darunter zu leiden. Das erzählt der deutsche Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng in dem nach ihm benannten Magazin „Boa“, das am Samstag zum ersten Mal erscheint.

„Wenn ich mich am Rand des Spielfelds warm mache, höre ich öfter, wie Zuschauer Affenlaute von der Tribüne brüllen, obwohl ich für Deutschland so viele Spiele bestritten habe“, sagt Boateng in dem Doppelinterview, in dem der 30-Jährige gemeinsam mit Herbert Grönemeyer vor allem Fragen zur gesellschaftlichen Stimmung in Deutschland beantwortet.
Siehe auch:
„No-Go-Areas“ in Berlin: Bezirkspolitiker kontern Boatengs Rassismus-Warnung (Tagesspiegel vom 12.11.2018)

Die Demokratie zerfällt in zwei Hälften

Die „Frankfurter Rundschau“ berichtet:

Der Frankfurter Sozialphilosoph Rainer Forst über den autoritären Populismus und die notwendige Zivilisierung von Herrschaftsverhältnissen.

Die Demokratie, noch vor nicht allzu langer Zeit als optimale oder gar alternativlose Form des politischen Zusammenlebens angesehen, wird heute in vielen Kommentaren als sterbend oder zumindest im finalen Überlebenskampf beschrieben. Auch etwas weniger dramatische Diagnosen sehen die Demokratie weltweit in einer schweren Krise. Worin aber besteht die?

In meinen Augen ist die derzeitige Krise eine der Halbierung der Demokratie. Sie zerfällt in zwei Hälften, die in sich problematisch sind und kein Ganzes mehr ergeben. Die heutige Krise ist fundamental, weil uns damit der Begriff der Demokratie selbst verloren zu gehen droht.

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Rechter Fackelmarsch in Magdeburg: „Antideutsche aus dem Land jagen“

Die „taz“ schreibt:

Rund 1.000 „Magida“-Anhänger sind am Samstag mit Fackeln durch Magdeburg gezogen. Gleichzeitig fand eine Gegendemonstration statt.

MAGDEBURG epd | Zahlreiche Rechtsextreme sind am Samstagabend mit einem Fackelmarsch durch Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt gezogen. Wie die Mitteldeutsche Zeitung am Sonntag berichtet, seien unter den von Beobachtern geschätzten 1.000 Teilnehmern zahlreiche Neonazis gewesen. Die Polizei sprach am Sonntag von etwa 700 Demonstrationsteilnehmern des rechtsgerichteten „Magida“-Bündnisses.

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Traumatisierte Geflüchtete besser versorgen mit Peer-Beratern

Das „Ärzteblatt“ schreibt:

Viele Flüchtlinge haben traumatische Erfahrungen gemacht und bräuchten dringend Unterstützung. Ihre Versorgung in Deutschland ist jedoch nicht sichergestellt. Die Politik hat das Thema zurzeit nicht im Fokus. Konkrete Lösungsansätze bietet eine Stellungnahme der Leopoldina, die Experten bei einer Veranstaltung in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) diese Woche diskutiert haben.

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Wie Medien bei der Integration helfen

Der „Deutschlandfunk“ berichtet:

In den vergangenen Jahren sind mehrere Medien-Angebote an den Start gegangen, die sich gezielt an Geflüchtete richten. Sie wollen vor allem über das Leben in Deutschland informieren – ermöglichen geflüchteten Journalisten aber auch, hierzulande zu arbeiten.

Im Januar 2016 hat WDR-Redakteurin Isabel Schayani „WDRforyou“ ins Leben gerufen. Das preisgekrönte Portal richtet sich vor allem an Geflüchtete.

„Wir haben es mit Menschen zu tun, die zum Teil überhaupt nicht wissen, was Demokratie ist, zum Beispiel, wenn jemand in Afghanistan groß geworden ist und in einer zerstörten Zivilgesellschaft. Das ist das eine. Und das andere ist, dass wir Sachen sehr einfach erklären müssen und sehr grundlegend erklären müssen. Jemand, der in Deutschland aufgewachsen ist, dem musst du nicht erklären, wie viele Schwarzbrotsorten es gibt, warum man Müll trennen muss, warum man eine Übergangsjacke braucht bei diesem Wetter.“

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Soziale Spaltung in Deutschland nimmt weiter zu

Die „Zeit“ berichtet:

Die Mittelschicht ist geschrumpft, zeigt der Verteilungsbericht des WSI. Das liege daran, dass es mehr Menschen mit geringem und mehr mit sehr hohem Einkommen gebe.

Die Einkommen in Deutschland haben sich laut einer Studie in den vergangenen Jahren weiter auseinanderentwickelt. „Die Gruppe der mittleren Einkommen ist geschrumpft“, stellt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in seinem neuen Verteilungsbericht fest. Die Spreizung sei entstanden, weil der Anteil der Haushalte unter der Armutsgrenze deutlich zugenommen habe. Ebenso sei der Anteil der Haushalte gestiegen, die über der statistischen Reichtumsgrenze liegen.

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Ostdeutschland: Bundesländer gehen gemeinsam gegen Rechtsextremismus vor

Via „Migazin“:

Rechtsextreme sind zunehmend in der Lage, sich spontan zu mobilisieren. Das bereietet den Ländern Sorge. Die Innenminister von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wollen bessere Identifizierung, Beobachtung und Prognosen.

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wollen bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus künftig stärker zusammenarbeiten. Nach den jüngsten Ereignissen in Chemnitz sei es notwendig, bessere Prognosen über spontane Mobilisierungen Rechtsextremer zu erstellen, teilten die Innenminister der drei Länder am Montag nach einem Treffen in Leipzig mit. Zudem wolle man auf der Innenministerkonferenz Ende November den gemeinsamen Vorschlag einbringen, muslim- und fremdenfeindliche Netzwerke in Zukunft bundesweit vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen.

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Zukunft der AfD: Politologe: Zeichen deuten auf weitere Radikalisierung

Der „Deutschlandfunk“ berichtet:

Angstmache, Feindbilder und kalkulierte Entgleisungen – in der Sprache der AfD ließen sich deutlich Agitationsformen des Rechtspopulismus feststellen, sagte der Politologe Frank Decker im Dlf. Zusammen mit den organisatorischen Verbindungen zum Rechtsextremismus könne dies durchaus Thema einer verfassungsrechtlichen Bewertung sein.

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