„Der Kollaps der ostdeutschen Gesellschaft war umfassend“

Wir dokumentieren die Besprechungen und Diskussionen zu Wolfgang Englers und Jana Hensels neuem Buch „Wer wir sind: Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein“:

Wer über den Osten nachdenkt, landet bei der DDR. Falsch, sagen Jana Hensel und Wolfgang Engler. Der Schlüssel zum Verständnis der ostdeutschen Gesellschaft sei die Nachwendezeit – die Überschattung der Demokratieerfahrung durch die Erfahrung der Brüchigkeit.

Was bedeutet es, ostdeutsch zu sein? Im Folgenden dokumentieren wir einen Ausschnitt aus dem Gespräch im Deutschlandfunk Kultur mit Autorin Jana Hensel und Publizist Wolfgang Engler. Beide haben sich in ihren Büchern mit ostdeutschen Identitätsfragen beschäftigt und jetzt gemeinsam den Band „Wer wir sind: Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein“ publiziert.

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Siehe auch:

„Auch die AfD wird den Osten enttäuschen“ (21.9.2018, Frankfurter Rundschau)

Wie wir zu Ostdeutschen wurden (16.9.2018, Zeit)

„Dass es enorme Spannungen gibt, lassen wir einfach geschehen“

Via „Deutschlandfunk“:

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie sieht in Gerechtigkeitsproblemen eine der Ursachen für Hass. Politiker und Journalisten müssten lernen, den Überhörten zuzuhören, sagte er im Dlf. Man könne Wut nicht mit rationalen Argumenten begegnen. Lilie wünscht sich mehr emotionale Intelligenz, „ohne Rassisten damit recht zu geben.“

Christiane Florin: Die Mails und die Nachrichten in sozialen Netzwerken sind oft in Großbuchstaben geschrieben. Mit vielen Ausrufezeichen. Es sind Schreie in Schriftform. Formuliert werden darin Vorwürfe: Ihr nehmt es nicht ernst, wenn wir Angst haben über die Straße zu gehen, vorbei an jungen, arabisch aussehenden Männern. Ihr stellt uns in die rechte Ecke, Ihr lacht uns aus, wenn wir unser Land nicht wiedererkennen, ihr lebt in eurer Multi-Kulti-Bioladen-Blase. Ihr, das sind die Politiker, die Medien, einfach die da oben.

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Jugend und Politik: Und was ist mit uns?

Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt:

Unsere Autorin macht mit benachteiligten Jugendlichen Schreibwerkstätten. Und merkt seit Jahren, dass sich diese Menschen von der Politik völlig verlassen fühlen. Ein Drama in zehn Szenen.

„Ich finde es nicht gut, dass die Flüchtlinge, wenn sie nach Deutschland kommen, alle ein Smartphone bekommen“, beschwert sich eine Schülerin in einer Kleinstadt in Hessen. Ich bin zu einer Literaturwerkstatt eingeladen, wie ich sie seit über zehn Jahren im deutschsprachigen Raum gebe, besonders für benachteiligte junge Menschen. An diesem Nachmittag haben mich die Schüler gefragt, ob wir uns mal über Politik unterhalten könnten, das würde sonst keiner mit ihnen machen. Die Schüler, Schulverweigerer, sollen hier ihre letzte Chance nutzen, um einen Schulabschluss nachzuholen. Einige von ihnen waren, angeblich von Schulen und Eltern unbemerkt, fast zwei Jahre lang nicht mehr in eine Schule gegangen. Alle wissen, was Armut bedeutet. Sie tragen teilweise die gesamte Verantwortung für ihre nicht intakten Familien. Zukunftschancen rechnet sich hier keiner aus.

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Das Quartiersmanagement Marzahn NordWest endet 2020

Der Stadtteil Marzahn-NordWest ist nur noch bis Ende 2020 Quartiersmanagementgebiet. Das Quartiersmanagement trifft für die Zeit danach Vorbereitungen:

Der Stadtteil Marzahn-NordWest ist nur noch bis Ende 2020 Quartiersmanagementgebiet. Das Quartiersmanagement trifft für die Zeit danach Vorbereitungen.

Im Rahmen einer Umfrage unter Bewohnern von Marzahn-NordWest im Juni und Juli wurden rund 200 Bewohner nach ihrer Zufriedenheit und auch den Problemen im Stadtteil befragt. Auf einer Stadtteilversammlung Ende August in der Marcana-Schule wurden die Ergebnisse vorgestellt und es gab Gelegenheit mit Vertretern der Bezirksverwaltung und der Wohnungsgesellschaften zu sprechen. Hauptziel war, Bewohner für ein ehrenamtliches Engagement im Kiez zu gewinnen.

Marzahn-NordWest ist seit 1999 Quartiersmanagementgebiet. Es gibt in dem Gebiet überdurchschnittlich viele Langzeitarbeitslose und Migranten, Alleinerziehende und arme Familien. Das war damals so und daran hat sich kaum etwas verändert.

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Auswertung Bürgerbefragung 2018.pdf

Impasse – Was Rom-Corviale und Marzahn-Nordwest verbindet

Sozialer #Wohnungsbau in #Rom und #Berlin: Was verbindet den #Corviale, das längste Haus der Welt, mit #Marzahn#NordWest? Mehr als man annimmt. Das zeigen die Bilder des italienischen Fotografen Pasquale #Liguori, die jetzt im Rathaus Marzahn zu sehen sind…

Marzahn. Der Blick aus einer zerborstenen Fensterscheibe der Brücke am S-Bahnhof Ahrensfelde zeigt eine ungewohnte Perspektive auf die Märkische Allee. Aufgenommen hat das Foto der in Neapel geborene und seit 20 Jahren in Rom lebende italienische Fotograf Pasquale Liguori. Elf Mal war er in diesem Jahr auf eigene Kosten nach Marzahn gereist, um den Stadtteil abzulichten. In seiner „Impasse“ genannten Ausstellung, was man etwa mit „Sackgasse“ oder „Stillstand“ übersetzen kann, setzt er die Bilder aus Marzahn in Beziehung zu Aufnahmen von Rom-Corviale. „Stadtrand am Scheideweg“ lautet der Untertitel der Exposition im alten Rathaus Marzahn, die von den Abgeordneten Dr. Manuela Schmidt (Linke) und Iris Spranger ( SPD) unterstützt wurde, ebenso vom Quartiersmanagement Marzahn-NordWest und zahlreichen Akteuren im Gebiet wie Matthias Bielor von der Spielplatzinitiative Marzahn und Marina Bikadi vom Kulturhochhaus.

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Wo die AfD der Linken den Rang abläuft

Via „NZZ“:

Im Osten Deutschlands sind die Rechtspopulisten oft da stark, wo auch die Linke ihre Hochburgen hat. Dabei kämpfen beide insbesondere in den ehemaligen DDR-Plattenbauvierteln um die gleiche Wählerschicht: die Unzufriedenen. Um die, die sich abgehängt fühlen.

Ja, natürlich hat es geschmerzt. Und wenn man sieht, wie sich dabei das Gesicht von Wolfgang Brauer verzieht, wird klar: Das tut immer noch weh. Wie auch nicht, wenn man von hier kommt und die Linke mit aufgebaut hat. Wenn man seit 1999 Direktkandidat war im Wahlkreis 1, in Marzahn-Nord, und all die Jahre Sieg um Sieg einfuhr. Und dann tritt 2016 zum ersten Mal die AfD an, stellt mit Gunnar Lindemann einen Kandidaten auf, der von ihm, dem ehemaligen kulturpolitischen Sprecher der Berliner Linken, nicht mehr abweichen könnte: ein Zugezogener, ein Wessi, ein Eisenbahner, ein Rechter. Und aus dem Stand heraus holt dieser Kandidat bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus 30 Prozent. Wie kann das nicht weh tun? Politisch und ja, natürlich, auch persönlich.

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Gutachten fordert Stopp des Sozialen Wohnungsbaus

Der „Tagesspiegel“ berichtet:

Berater des Wirtschaftsministeriums fordern, den Sozialen Wohnungsbau zurückzufahren. Die Mietpreisbremse würden sie ersatzlos streichen.

Wohnungsnot? Welche Wohnungsnot? Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zum Sozialen Wohnungsbau empört die Opposition. Denn das Heftchen von knapp 40 Seiten zur Zukunft der wichtigen Reserve an günstigen Wohnungen für Haushalte mit geringen Einkünften zieht das Fazit: „Der Soziale Wohnungsbau sollte nicht wiederbelebt werden“, sondern „im Gegenteil zurückgefahren werden“. Dazu noch sollte „die Mietpreisbremse ersatzlos gestrichen werden“.

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Studie: Zahl der Hartz-IV-Bezieher wird nicht kleiner

Das „Migazin“ berichtet:

Die Zahl der Hartz-IV-Bezieher verharrt auf hohem Niveau: Sechs Millionen Menschen beziehen die Hilfsleistung. Darunter sind auch Asylbewerber, weil sie dem Arbeitsmarkt noch nicht zur Verfügung stehen.

Die Zahl der Hartz-IV-Bezieher ist laut einer Studie trotz des Arbeitsmarktbooms seit 2011 nicht zurückgegangen. Sie liegt relativ konstant nahe der Sechs-Millionen-Marke, wie aus einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht. Die Zahl der unter Armut leidenden Kinder ist dem Deutschen Kinderschutzbund zufolge deutlich höher als bisher bekannt.

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Ausgebrannt im Jugendamt

Das „Neue Deutschland“ schreibt:

Sozialarbeiter*innen in Marzahn-Hellersdorf protestieren gegen miserable Arbeitsbedingungen

Um kurz nach 10 Uhr morgens lassen die Sozialarbeiter*innen am Alice-Salomon-Platz mehrere Dutzend weiße Luftballons in den blauen Himmel steigen. »Die Politik macht nur heiße Luft«, tönt es aus den Lautsprechern. »Das können wir auch. Lasst die Ballons steigen!«

Etwa 100 Menschen haben sich am Donnerstagmorgen zu der Protestkundgebung vor dem Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf versammelt. Die meisten von ihnen sind Sozialarbeiter*innen des Regionalen Sozialpädagogischen Dienstes und arbeiten für das Jugendamt im Bezirk.

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Siehe auch: Notstand im Jugendamt

Marzahn-Hellersdorf: Weiblich, alleinerziehend – und die Armut ist programmiert

Der „rbb“ berichtet:

In keinem anderen Berliner Bezirk leben so viele Alleinerziehende wie in Marzahn-Hellersdorf. Sie sind besonders oft von Armut betroffen. Franziska Ritter hat sich dort umgehört, was das für die Kinder bedeutet.

Die Tangermünder Straße in Berlin-Hellersdorf: Plattenbausiedlungen so weit das Auge reicht. Dazwischen steht die Arche, ein ehemaliges Schulgebäude, über dessen Hof zig Kinder und Jugendliche toben. Bis zu 200 kommen Tag für Tag nach der Schule hierher: um Mittag zu essen, Hausaufgaben zu machen oder zu spielen. Die Arche sei wie ein Jugendclub für Kinder, erklärt Tim Rauchhaus, der die Einrichtung leitet.

Hinter der Arche steht ein Verein, den ein evangelischer Pastor 1995 in Berlin gegründet hat, und der sich fast vollständig über Spenden finanziert: Die Arche Christliches Kinder- und Jugendwerk e.V.  ist noch in vier anderen Bezirken der Stadt aktiv und betreibt bundesweit Einrichtungen. Dass der Verein in Hellersdorf seine Zentrale hat, ist kein Zufall: Laut Sozialbericht wachsen hier 40 Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren in Familien auf, die Hartz IV beziehen. Gemäß Definition sind sie arm.

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