Armut-Studie: Kinder mit Migrationshintergrund unzufriedener

Das „Migazin“ berichtet:

Das Einkommen von einem Elternteil reicht häufig nicht mehr aus, um die Familie zu ernähren. Wenn Mütter keinen Job haben, sind Kinder laut einer Studie oft von Armut bedroht. Betroffen sind überdurchschnittlich häufig auch Kinder mit Migrationshintergrund.

Mehr als jedes zweite Kind ist einer Studie zufolge von Armut bedroht, wenn in der Familie die Mutter keine Arbeit hat. Eine hohe Armutsquote wurde auch in Familien mit Migrationshintergrund verzeichnet. Noch gravierender ist die Situation bei alleinerziehenden Müttern: Sind sie nicht erwerbstätig, wachsen die Kinder fast immer (96 Prozent) in Armut auf, wie die Bertelsmann Stiftung am Mittwoch in Gütersloh bei der Vorstellung der Studie erklärte. Die Stiftung wirbt für ein Teilhabegeld, das die Hilfen für ärmere Familien bündelt. Auch die Diakonie und das Deutsche Kinderhilfswerk mahnen bessere Hilfen für Kinder aus armen Familien an.

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In Gropiusstadt lebt es sich prekär

Via „Tagesspiegel“:

Kinderarmut, (Langzeit-)Arbeitslosigkeit und Bezug von Sozialleistungen bei Nicht-Arbeitslosen: Nach diesen Parametern misst das Monitoring „Soziale Stadtentwicklung“ die soziale Lage in der Stadt. Damit erhebt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Daten, die Auskunft über die aktuelle Lage in den Kiezen und deren Entwicklung in den Jahren 2015 und 2016 geben können. Das Ergebnis: Die soziale Benachteiligung in Berlin ist gesunken. Der Anteil an Arbeitslosen und Langzeitarbeitslosen habe sich seit 2006 halbiert, auch die Kinderarmut sinke kontinuierlich. Klingt erst mal gut. Wirft man jedoch einen detaillierten Blick in die Kieze, vor allem außerhalb des S-Bahn-Rings, sieht die Situation gleich anders aus.

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Berlin verzeichnet erste Erfolge gegen Kinderarmut

Die „Berliner Morgenpost“ berichtet:

5700 junge Menschen weniger als noch vor einem Jahr benötigen zusätzliche Leistungen zur Grundsicherung.

Berlin. In Berlin ist weiterhin fast jedes dritte Kind auf Hartz IV angewiesen. Im Dezember 2017 lebten 172.421 Kinder und Jugendliche in einer Familie, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) bezieht. Das sind etwa 1000 weniger als 2016. Allein 76.241 dieser Minderjährigen wachsen in Haushalten von Alleinerziehenden auf. Das Armutsrisiko gilt dort als besonders hoch. Auffallend ist aber vor allem, dass weniger Kinder und Jugendliche sogenannten Aufstocker-Familien angehören, die trotz eigenen Einkommens auf zusätzliche Grundsicherungs-Leistungen (ALG II) angewiesen sind. Ihre Zahl ging von 81.682 auf 75.981 zurück.

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Soziale Ungleichheit: „Solidarität war immer das Ergebnis von Kämpfen“

Sehr lesenswertes Interview in der „Süddeutschen Zeitung“:

Wie kann in Zeiten digitaler Filterblasen das Gefühl von Zusammengehörigkeit entstehen? Für Solidarität müssen die Menschen auf die Straße gehen, sagt Soziologe Oliver Nachtwey.

Interview von Thomas Jordan

Der Soziologe Oliver Nachtwey, 42, machte 2016 mit seinem Buch „Die Abstiegsgesellschaft“ Furore. Darin beschreibt er, dass es für weite Teile der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland sozial nicht mehr aufwärts geht, sondern im Vergleich zur Generation ihrer Eltern wieder bergab. Prekäre Arbeitsverhältnisse sind fest auf dem Arbeitsmarkt etabliert. Von der Politik wird als Ausgleich in einer „globalisierten, neoliberalen, turbodigitalne Welt“, wie es die neue SPD-Vorsitzende Andrea Nahles kürzlich formulierte, wieder verstärkt die Idee der Solidarität ins Spiel gebracht.

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Berliner CDU-Politiker: Hartz IV bei Job-Ablehnung streichen

Der „rbb“ berichtet:

Während in der SPD über die Abschaffung von Hartz IV nachgedacht wird, kommen Stimmen aus der CDU, die Sanktionen zu verschärfen. Der Berliner Wirtschaftspolitiker Christian Gräff schlägt vor, die Bezüge für unter 50-Jährige zu streichen, wenn sie einen Job ablehnen.

Berliner Wirtschaftspolitiker der CDU wollen härtere Sanktionen für junge Hartz-IV-Empfänger. Wenn Menschen unter 50 Jahren ein Jobangebot ablehnten, sollten ihnen die Sozialleistungen komplett gestrichen werden, forderte der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der Berliner CDU, Christian Gräff, am Donnerstag. Hintergrund sei die gute Situation am Arbeitsmarkt.

Für Unternehmen sei es derzeit schwierig, Fachkräfte zu finden, erklärte der CDU-Abgeordnete Gräff in einem Schreiben. „Es ist bei der derzeitigen Situation am Arbeitsmarkt nicht einzusehen, dass Menschen, die 25 oder auch 45 Jahre alt sind, zu Hause sitzen und Hartz IV beanspruchen können.“

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Ideologische Geistesverwandtschaft

Via „Junge Welt“:

Die Mittelschicht leidet an Abstiegsängsten, das beschert rechten Parteien Zulauf. Über den Zusammenhang von Neoliberalismus und Rechtspopulismus

Seit geraumer Zeit feiern rechtspopulistische Organisationen, Parteien und »Bürgerbewegungen« fast überall in Europa große (Wahl-)Erfolge. Heiß debattiert wird die Frage nach den gesellschaftlichen Ursachen dieser Entwicklung, von deren Beantwortung nicht zuletzt abhängt, welche Gegenstrategie man zwecks Eindämmung oder Zurückdrängung des Rechtspopulismus favorisiert. Hier sollen zunächst die Erscheinungsformen, Begleiterscheinungen und Ursachen der sich vertiefenden Kluft zwischen Arm und Reich skizziert werden. Danach werden soziale Ungleichheit, Demokratieabbau und Rassismus mit dem Neoliberalismus in Verbindung gebracht. Dieser ist mit dem Rechtspopulismus insofern kompatibel, als der Standortnationalismus wie eine ideologische Brücke fungiert. Nur wegen der Geistesverwandtschaft zwischen Neoliberalismus und Rechtspopulismus war die Gründung der Alternative für Deutschland trotz heftiger Flügelkämpfe zwischen ihren Hauptrepräsentanten innerhalb der Partei erfolgreich.

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Entwürdigende Bettelprozedur

Wer in Deutschland arm ist, bleibt auch in den meisten Fällen arm. Das Aufstiegsversprechen bleibt ein kaum zu erreichender Mythos, wenn sich Gesetze und Strukturen nicht ändern:

In keinem anderen entwickelten Land ist der Bildungserfolg von Kindern so stark vom sozialen Status der Eltern abhängig wie in Deutschland. Daran hat auch das Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder aus armen Familien nichts geändert. Ohnehin werden diese äußerst karg bemessenen Zuschüsse nur für rund ein Viertel der rund 2,5 Millionen Anspruchsberechtigten in Anspruch genommen, wie nun bekannt wurde.

Sind die Armen selber schuld, wenn ihre Kinder in der Schule abgehängt und von soziokultureller Teilhabe in der Freizeit ausgeschlossen bleiben? So viel Zynismus hat bislang nicht mal ein Jens Spahn in die Debatte geworfen. Denn das Teilhabepaket basiert auf einer entwürdigenden, extrem bürokratischen Bettelprozedur um staatliche Almosen.

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Les Oubliés – Die politisch Verlassenen

Viele Menschen in strukturschwachen Regionen mit hohem Anteil rechtspopulistischer Wähler fühlen sich von der Politik verlassen. Das befindet die erste Studie ihrer Art zu den letzten Wahlen in Deutschland und Frankreich: 500 Haustürgespräche zeigen auf, welche Herausforderungen die Befragten in ihrem Alltag haben und warum oftmals die sozialpolitischen Bedingungen – und nicht etwa Fremdenfeindlichkeit – Grund ihres Unmuts und ihrer Zukunftsängste sind. Basierend auf den authentischen Schilderungen der Menschen entschlüsselt die Studie „Rückkehr zu den politisch Verlassenen“ deren Deutungsmuster und macht sie zugänglich für Handlungsempfehlungen, die darauf abzielen, das Vertrauen dieser Bevölkerungsgruppen zurückzugewinnen.
 
— Der Kurzfilm „Les Oubliés – Die politisch Verlassenen“ entstand im Zuge der Studienerstellung. Er wurde von der Snice-Filmproduktion erstellt und von der Alfred Herrhausen Gesellschaft gefördert.

„Kaum Angst vor Überfremdung“

Die „Zeit“ u.a. Medien berichten über die neue Studie „Rückkehr zu den politisch Verlassenen“:

Einfach mal an 5.000 Türen klingeln, wo viele AfD wählen und wenig verdienen: Johannes Hillje weiß, was passiert, wenn man mit den Menschen redet – statt über sie.

Duisburg-Neumühl, Eisenhüttenstadt, Marzahn-Hellersdorf: Das Forscherteam um Johannes Hillje hat an 5.000 Türen in sozial schwachen Regionen geklingelt, in denen die AfD besonders große Wahlerfolge erzielt hatte. 500 haben aufgemacht und mit ihm über das Gefühl gesprochen, abgehängt zu sein, über Vertrauen in die Politik und die Ablehnung von Flüchtlingen. Die gute Nachricht: Die Menschen zeigten sich kaum rassistisch, auch waren die meisten proeuropäisch. Sie wollen keine Grenzschließungen, sondern besseren Nahverkehr und mehr Läden um die Ecke. Aber: Das Politiksystem müsste sich grundlegend wandeln, um das Vertrauen dieser Menschen zurückzugewinnen.

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Siehe auch:

In Hochburgen von Rechtspopulisten grassieren Abstiegsängste

Menschen in AfD-Hochburgen fühlen sich von der Politik alleingelassen

AfD-Hochburgen: „Es herrscht ein Gefühl des Verlassenseins“

Zur Studie:

In rechtspopulistischen Hochburgen herrscht ein Gefühl des Verlassenseins

Abstiegsängste treiben Wähler zur AfD

Das „Migazin“ schreibt:

Wieso war die AfD bei der Bundestagswahl im September vergangenen Jahres so erfolgreich? Dieser Frage gingen Forscher in einer Studie nach. Ergebnis: Knapp die Hälfte der Befragten befürchtet, seinen Lebensstandard nicht halten zu können.

Abstiegsängste sind in Deutschland laut einer aktuellen Studie bis weit in die Mitte der Gesellschaft verbreitet. Menschen mit geringem Einkommen und Arbeitsplatzsorgen, aber auch Top-Verdiener seien davon betroffen, teilte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am Freitag in Düsseldorf mit.

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