Jugend und Politik: Und was ist mit uns?

Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt:

Unsere Autorin macht mit benachteiligten Jugendlichen Schreibwerkstätten. Und merkt seit Jahren, dass sich diese Menschen von der Politik völlig verlassen fühlen. Ein Drama in zehn Szenen.

„Ich finde es nicht gut, dass die Flüchtlinge, wenn sie nach Deutschland kommen, alle ein Smartphone bekommen“, beschwert sich eine Schülerin in einer Kleinstadt in Hessen. Ich bin zu einer Literaturwerkstatt eingeladen, wie ich sie seit über zehn Jahren im deutschsprachigen Raum gebe, besonders für benachteiligte junge Menschen. An diesem Nachmittag haben mich die Schüler gefragt, ob wir uns mal über Politik unterhalten könnten, das würde sonst keiner mit ihnen machen. Die Schüler, Schulverweigerer, sollen hier ihre letzte Chance nutzen, um einen Schulabschluss nachzuholen. Einige von ihnen waren, angeblich von Schulen und Eltern unbemerkt, fast zwei Jahre lang nicht mehr in eine Schule gegangen. Alle wissen, was Armut bedeutet. Sie tragen teilweise die gesamte Verantwortung für ihre nicht intakten Familien. Zukunftschancen rechnet sich hier keiner aus.

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Das Quartiersmanagement Marzahn NordWest endet 2020

Der Stadtteil Marzahn-NordWest ist nur noch bis Ende 2020 Quartiersmanagementgebiet. Das Quartiersmanagement trifft für die Zeit danach Vorbereitungen:

Der Stadtteil Marzahn-NordWest ist nur noch bis Ende 2020 Quartiersmanagementgebiet. Das Quartiersmanagement trifft für die Zeit danach Vorbereitungen.

Im Rahmen einer Umfrage unter Bewohnern von Marzahn-NordWest im Juni und Juli wurden rund 200 Bewohner nach ihrer Zufriedenheit und auch den Problemen im Stadtteil befragt. Auf einer Stadtteilversammlung Ende August in der Marcana-Schule wurden die Ergebnisse vorgestellt und es gab Gelegenheit mit Vertretern der Bezirksverwaltung und der Wohnungsgesellschaften zu sprechen. Hauptziel war, Bewohner für ein ehrenamtliches Engagement im Kiez zu gewinnen.

Marzahn-NordWest ist seit 1999 Quartiersmanagementgebiet. Es gibt in dem Gebiet überdurchschnittlich viele Langzeitarbeitslose und Migranten, Alleinerziehende und arme Familien. Das war damals so und daran hat sich kaum etwas verändert.

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Auswertung Bürgerbefragung 2018.pdf

Marzahn-Hellersdorf: Weiblich, alleinerziehend – und die Armut ist programmiert

Der „rbb“ berichtet:

In keinem anderen Berliner Bezirk leben so viele Alleinerziehende wie in Marzahn-Hellersdorf. Sie sind besonders oft von Armut betroffen. Franziska Ritter hat sich dort umgehört, was das für die Kinder bedeutet.

Die Tangermünder Straße in Berlin-Hellersdorf: Plattenbausiedlungen so weit das Auge reicht. Dazwischen steht die Arche, ein ehemaliges Schulgebäude, über dessen Hof zig Kinder und Jugendliche toben. Bis zu 200 kommen Tag für Tag nach der Schule hierher: um Mittag zu essen, Hausaufgaben zu machen oder zu spielen. Die Arche sei wie ein Jugendclub für Kinder, erklärt Tim Rauchhaus, der die Einrichtung leitet.

Hinter der Arche steht ein Verein, den ein evangelischer Pastor 1995 in Berlin gegründet hat, und der sich fast vollständig über Spenden finanziert: Die Arche Christliches Kinder- und Jugendwerk e.V.  ist noch in vier anderen Bezirken der Stadt aktiv und betreibt bundesweit Einrichtungen. Dass der Verein in Hellersdorf seine Zentrale hat, ist kein Zufall: Laut Sozialbericht wachsen hier 40 Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren in Familien auf, die Hartz IV beziehen. Gemäß Definition sind sie arm.

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Armut in der Schule: „Ich habe mich so geschämt“

„Spiegel-Online“ schreibt:

Klassenfahrten, Theaterkurse, Bücher, Ranzen, Stifte – Bildung kostet Geld. Doch was ist, wenn Familien das nicht aufbringen können? Sieben Betroffene erzählen.

Es gibt Geschichten, die auf den ersten Blick von einem einzelnen Schicksal erzählen – und dann aber doch sehr viele Menschen berühren. Kürzlich machte solch eine Geschichte bundesweit Schlagzeilen: Eine Krankenschwester mit vier Kindern hatte auf Twitter davon berichtet, wie schwer es für sie ist, das Geld für Klassenfahrten und Ferienbetreuung zusammenzukratzen.

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Arm und Reich, Jung und Alt: immer seltener Tür an Tür

WZB-Studie zeigt wachsende sozialräumliche Spaltung in deutschen Städten

Arme Menschen leben in deutschen Städten zunehmend konzentriert in bestimmten Wohnvierteln. Auch junge und alte Menschen sind immer seltener Nachbarn. Das zeigen Marcel Helbig und Stefanie Jähnen in einer neuen Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Darin untersuchen sie für 74 Städte die Entwicklung der sozialräumlichen Segregation von 2005 bis 2014. Sie ist die bislang umfangreichste Studie, die mit amtlichen Daten die ungleiche räumliche Verteilung sozialer Gruppen untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass in vielen deutschen Städten die Idee einer sozial gemischten Stadtgesellschaft nicht mehr der Wirklichkeit entspricht.

In gut 80 Prozent der untersuchten Städte hat seit 2005 die räumliche Ballung von Menschen, die Grundsicherung nach SGB II beziehen, zugenommen – am stärksten dort, wo viele Familien mit kleinen Kindern (unter 6 Jahren) und viele arme Menschen leben. Den höchsten Anstieg verzeichnen ostdeutsche Städte wie Rostock, Schwerin, Potsdam, Erfurt, Halle und Weimar. Zudem schreitet die sozialräumliche Spaltung in Städten schneller voran, wo eine bestimmte Schwelle der Armutssegregation bereits überschritten ist.

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Zur Studie:

Wie brüchig ist die soziale Architektur unserer Städte?

Siehe auch:

Amerikanische Zustände im Osten

Dekonstruktion des Dorftrottels

Gefangen in Hartz IV

Als alleinerziehende Mutter gefangen in der Hartz-IV-Spirale. Im Gespräch erkundigte sich das Inforadio in der Arche in Berlin-Hellersdorf nach den Problemen mit dem vorhandenen System:

Die deutsche Wirtschaft brummt, überall werden Arbeitskräfte gesucht – von der Aushilfe bis zur Fachkraft. Und trotzdem gibt es 800.000 Langzeitarbeitslose. Welche Probleme haben diejenigen, die erst einmal in der Hartz-IV-Spirale stecken? Für den zweiten Teil ihrer Reportage hat Inforadio-Reporterin Sylvia Tiegs in Berlin und Potsdam nach Antworten gesucht.

Mittagszeit in der „Arche“ in Berlin-Hellersdorf. Die Kantine des christlichen Kinder- und Jugendhilfswerks ist gut besucht, heute gibt’s Kürbissuppe. Wie immer kostenlos. Die „Arche“ versteht sich als Anlaufstelle für Familien, die wenig haben. Nicole zählt sich dazu. Die 31-Jährige zieht alleine fünf Kinder groß: „Der Jüngste ist anderthalb, die Älteste ist zehn.“

Ihre beiden Kleinsten hat Nicole zum Mittagessen in die „Arche“ mitgebracht; die Jungs sitzen fröhlich in ihren Hochstühlen und manschen in der Suppe rum. Aus eigener Kraft kann ihre Mutter sie nicht ernähren, Nicole und ihre Kinder leben komplett vom Staat: „Momentan von Hartz IV, Kindergeld und Unterhaltsvorschuss für die Kinder.“

Mit dem Vater der Kinder wohnt Nicole nicht zusammen, er kümmere sich aber – sagt sie. Als Lagerarbeiter verdiene er zu wenig, um sie finanziell zu unterstützen. Deshalb der Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt. Hartz IV bezieht die junge fünffach-Mutter, obwohl sie gerne arbeiten gehen würde. Aber sie kann nicht: „Mein Hauptproblem ist: Kita-Gutscheine habe ich für alle Kinder – und finde einfach keine Plätze.“

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Berlin verzeichnet erste Erfolge gegen Kinderarmut

Die „Berliner Morgenpost“ berichtet:

5700 junge Menschen weniger als noch vor einem Jahr benötigen zusätzliche Leistungen zur Grundsicherung.

Berlin. In Berlin ist weiterhin fast jedes dritte Kind auf Hartz IV angewiesen. Im Dezember 2017 lebten 172.421 Kinder und Jugendliche in einer Familie, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) bezieht. Das sind etwa 1000 weniger als 2016. Allein 76.241 dieser Minderjährigen wachsen in Haushalten von Alleinerziehenden auf. Das Armutsrisiko gilt dort als besonders hoch. Auffallend ist aber vor allem, dass weniger Kinder und Jugendliche sogenannten Aufstocker-Familien angehören, die trotz eigenen Einkommens auf zusätzliche Grundsicherungs-Leistungen (ALG II) angewiesen sind. Ihre Zahl ging von 81.682 auf 75.981 zurück.

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Stromsperren für 3.641 Haushalte

„LichtenbergMarzahn+“ berichtet:

Lichtenberg/Marzahn-Hellersdorf. Immer wieder gibt es in den Berliner Stadtteilen kurzzeitige Ausfälle der Stromversorgung. Das ist ärgerlich, aber meist nach wenigen Stunden behoben. Doch im Jahr 2017 gab es fast 17.000 Haushalte in der Stadt, denen von den Stromversorgern wegen nicht gezahlter Entgelte der Saft völlig abgedreht wurde – eine einschneidende Beeinträchtigung der Lebensqualität. Denn dann geht gar nichts mehr. Fernseher, Radio, Telefon funktionieren nicht, die Waschmaschine und der Herd können nicht benutzt werden, ebenso wenig der Kühlschrank. Und abends gibt es höchstens Kerzenlicht.

Marzahn-Hellersdorf auf Platz Zwei

Zwar ist 2017 die Zahl der Stromsperren gegenüber 2016 um 7,26 Prozent gesunken, liegt aber immer noch 7,49 Prozent höher als im Jahr 2015. Das ergab eine Antwort des Senats auf eine Anfrage des aus Marzahn-Hellersdorf stammenden Abgeordneten Kristian Ronneburg (Linke). Die meisten Sperren gab es im vergangenen Jahr im Bezirk Mitte (2.030). Gleich dahinter liegt Marzahn-Hellersdorf mit 1.944 Stromsperren. Lichtenberg belegt mit 1.697 Stromsperren einen Mittelplatz. Am seltensten wurde der Strom Haushalten im gut situierten Bezirk Steglitz-Zehlendorf abgedreht: Dort waren lediglich 448 Stromsperren zu verzeichnen.

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Fast jedes dritte Kind in Berlin lebt von Hartz IV

Der „rbb“ berichtet:

Die Zahl der Minderjährigen, die in Deutschland von Hartz IV leben, ist seit 2013 deutlich gestiegen. Stark betroffen sind vor allem Kinder aus Flüchtlingsfamilien. In Berlin lebt inzwischen fast jedes dritte Kind von staatlicher Grundsicherung.

Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland sind auf Hartz IV angewiesen. Das geht aus neuesten Zahlen hervor, die die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg vorgelegt hat.

Demnach lebten im Juni 2017 rund 2,05 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Familien, die wegen längerer Arbeitslosigkeit oder zu geringer Einkünfte auf Hartz IV angewiesen waren. Das sind 5,2 Prozent mehr als im Juni 2016 und fast acht Prozent mehr als im Juni 2013.

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Chancengleichheit in Großsiedlungen

Das „Quartiersmanagement Berlin“ berichtet:

Wie lässt sich Bildungserfolg in sozial benachteiligten Großsiedlungen fördern? Auf dem Kongress „StadtBildung“ berichteten Expertinnen und Experten aus Berlin und zahlreichen Großstädten in Deutschland am 15. März 2018 von erfolgreichen Lösungsansätzen. Thema war auch der Campus Efeuweg in Neukölln.

Die Neuköllner Bildungsstadträtin Karin Korte eröffnete den Kongress „StadtBildung“ mit einer klaren Aussage: „Gerade in schwierigen Kiezen brauchen wir die besten Bildungsangebote“, wenn die Chancen für alle Bevölkerungsgruppen gleich sein sollen.

Der Kongress StadtBildung

Auf der Veranstaltung kamen Expertinnen und Experten von Bildung, Jugend und Stadtentwicklung aus Praxis, Wissenschaft, Politik und Verwaltung zusammen. Thema waren sowohl neue pädagogische als auch städtebauliche Perspektiven sowie Gelingensbedingungen für erfolgreiche Campusentwicklungen in deutschen Großstädten.

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Siehe auch: Kongress StadtBildung – Kooperation für mehr Chancengleichheit in der Großsiedlung