Nguyen Van Tu und Ingo Binsch: Von Nazis ermordet

Via „Tagesspiegel“:

Nguyen Van Tu aus Marzahn und Ingo Binsch aus Hellersdorf – zwei von mindestens 169 Menschen, die seit der Wiedervereinigung in Deutschland von Neonazis oder anderen extrem Rechten getötet wurden. Ihre Schicksale sind in einer interaktiven Karte dokumentiert, die aus jahrelangen Recherchen eines Teams um Tagesspiegel-Redakteur Frank Jansen hervorgegangen ist.

Der 29-jährige Vietnamese Nguyen Van Tu stirbt am 24. April 1992 in Marzahn durch einen Messerstich in die Lunge. Der 21-jährige Täter gibt an, der rechtsextremen DVU nahezustehen. Er wird am 8. Oktober 1992 vom Landgericht Berlin wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Als Tatmotiv stellt das Gericht Selbstjustiz vor dem Hintergrund fremdenfeindlicher Ressentiments fest.

Ingo Binsch wird am 5. November 2001 von drei jungen Männern in einem Hellersdorfer Plattenbau so massiv zusammengeschlagen, dass er wenige Stunden später einen tödlichen Herzinfarkt erleidet. Der Anlass: Der 36-Jährige schuldete einem der Täter 40 DM. Das Landgericht Berlin verurteilt die vorbestraften Rechtsextremisten zu mehrjährigen Haftstrafen. Ein rechtsextremes Motiv erkennen die Richter nicht. Nach einer Überprüfung des Falls durch Forscher der TU Berlin im Frühjahr 2018 wird der Fall durch das LKA Berlin als politisch motiviert eingestuft. Die Wissenschaftler hatten die laufend praktizierte Gruppengewalt in der rechtsextremen Szene sowie drei vorhergehende einschlägige Gewalttaten, bei denen die Täter genauso brutal vorgegangen waren, als ursächlich angesehen.

Quelle

Mehr dazu hier:

Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland seit der Wiedervereinigung

Warum hat Deutschland Do Anh Lan vergessen?

Via „Zeit Online“:

1980 wurden zwei Vietnamesen in Hamburg Opfer eines rassistisch motivierten Brandanschlags. Bis heute kämpft die Mutter eines der Opfer für einen Gedenkort – erfolglos.

Rassismus ordnet unser Denken und Zusammenleben. Mit dem Schwerpunkt „Alltag Rassismus“ wollen wir herausfinden, warum das so ist, was das für die Gesellschaft bedeutet und wie sich das verändern ließe. Mit einem Besuch bei der Rentnerin Do Mui wollen wir herausfinden, welche Folgen ein rassistisches Verbrechen auch noch Jahrzehnte später haben kann.

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Kurzes Gedenken für rechtes Mordopfer

Das „Neue Deutschland“ schreibt:

Eine Granitplatte mit Inschrift für Nguyen Van Tu in Marzahn ist wenige Wochen nach Anbringung verschwunden

Es ist ein schmaler Grünstreifen, drei Bäume darauf, eingerahmt von einem Parkplatz, dahinter ein Supermarkt. Hier wurde vor 26 Jahren Nguyen Van Tu erstochen. Seit Mitte April, eine Woche vor dem Todestag am 24. April, wies eine Gedenktafel auf den rassistischen Mord hin. Jetzt ist sie verschwunden.

Verlegt hatte die Gedenktafel nicht der Bezirk Marzahn-Hellersdorf, sondern eine antifaschistische Gruppe. »Es gibt hier im Bezirk kein aktives Gedenken an Nguyen Van Tu«, sagte die Aktivistin Mutjara Teng dem »nd«. Nach dem 25-jährigen Todestag im vergangenen Jahr hätten einige Aktivisten versucht, mit Politikern über einen möglichen Gedenkort ins Gespräch zu kommen. Das sei aber gescheitert. Deshalb habe die Gruppe selbst eine Gedenkplatte erstellen lassen und verlegt. Fotos zeigen die etwa 50×70 Zentimeter große Granitplatte in einem metallenen Rahmen.

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Den Rassismus vergessen wir nicht

Artikel zum Gedenken an Nguyễn Văn Tú am 24.4. „Den Rassismus vergessen wir nicht“ #AktionGedenken

Gedenkkundgebung am Montag für den vor 25 Jahren ermordeten Vietnamesen Nguyen Van Tu

Es war der 24. April 1992. Nguyen Van Tu verkaufte Zigaretten am Brodowiner Ring in Marzahn. Mike L. kam mit Freunden vorbei, war alkoholisiert, und stieß mehrfach die Zigarettenkisten der vietnamesischen Händler um. So steht es in Zeitungsberichten des »nd« vom Herbst 1992. Nguyen Van Tu sei dann auf Mike L. und seine Freunde zugegangen und habe sie zur Rede gestellt. L. habe sofort ein Messer gezückt und bald auf Nguyen Van Tu eingestochen. Dessen Freunde brachten ihn ins Krankenhaus, wo er seinen Verletzungen erlag.

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24.4.2017: Kundgebung in Marzahn: Gedenken an Nguyen Van Tu – 25. Todestag

Via Asta Alice Salomon Hochschule – mit Unterstützung des Projekts Ponte:

Kundgebung: Gedenken an Nguyen Van Tu – 25. Todestag

Nguyen Van Tu lebte ab 1987 als Vertragsarbeiter in der DDR. Am 24. April 1992 wurde er in Berlin-Marzahn am Brodowiner Ring von einem Neonazi erstochen.

Damals fand ein Trauermarsch mit ca. 2000 Teilnehmer_innen statt.25 Jahre danach ist seine Geschichte in der Öffentlichkeit weitgehend in Vergessenheit geraten.Auch heute sind rassistische Übergriffe auf Menschen und ihre Unterkünfte alltäglich. Genauso wie damals kämpfen heute viele Menschen um einen Aufenthaltsstatus und Schutz vor Gewalt. Am 25. Todestag wollen wir an Nguyen Van Tu erinnern.

Ort: Marzahn, Brodowiner Ring 8 (öffis: Tram M6 bis Brodowiner Ring)

direkt im Anschluss an die Kundgebung (10 minuten laufen)

Veranstaltung: die 90er Jahre – Rassismus und Widerstand

Mit dem Ende der DDR verloren auch die sogenannten Vertragsarbeiter_innen ihren Aufenthaltsstatus, darunter viele Vietnames_innen. Dagegen formierte sich ein Widerstand, in dem für ihr Bleiberecht und Arbeit gekämpft wurde. Neben der Bedrohung durch staatliche Abschiebepolitk waren sie Ziel von massiver rassistischer Gewalt: von Seiten der Polizei, als auch durch Rassisten und Neonazis.

Über die Geschichte und die Situtation mehr als 25 Jahre danach sprechen Zeitzeug_innen der „Vereinigung der Vietnamesen in Berlin und Brandenburg“, „Reistrommel e.V.“ und weitere Personen aus deutsch-vietnamesischen Communities.

Ort: Jugendfreizeiteinrichtung Anna Landsberger, Prötzeler Ring 13, 12685 Berlin8 (öffis: Tram M6 bis Brodowiner Ring)

Weitere Infos folgen

FB-Veranstaltung hier.