Soziale Ungleichheit: „Solidarität war immer das Ergebnis von Kämpfen“

Sehr lesenswertes Interview in der „Süddeutschen Zeitung“:

Wie kann in Zeiten digitaler Filterblasen das Gefühl von Zusammengehörigkeit entstehen? Für Solidarität müssen die Menschen auf die Straße gehen, sagt Soziologe Oliver Nachtwey.

Interview von Thomas Jordan

Der Soziologe Oliver Nachtwey, 42, machte 2016 mit seinem Buch „Die Abstiegsgesellschaft“ Furore. Darin beschreibt er, dass es für weite Teile der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland sozial nicht mehr aufwärts geht, sondern im Vergleich zur Generation ihrer Eltern wieder bergab. Prekäre Arbeitsverhältnisse sind fest auf dem Arbeitsmarkt etabliert. Von der Politik wird als Ausgleich in einer „globalisierten, neoliberalen, turbodigitalne Welt“, wie es die neue SPD-Vorsitzende Andrea Nahles kürzlich formulierte, wieder verstärkt die Idee der Solidarität ins Spiel gebracht.

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Die Rolltreppengesellschaft

Der „Freitag“ berichtet:

Kapitalismus Mit seinem Buch „Die Abstiegsgesellschaft“ legte Oliver Nachtwey eine kluge Analyse unserer Zeit vor. In Berlin debattierte er darüber mit Interessierten

Manchmal passt der Ort einer Veranstaltung dieser wie auf den Leib geschnitten. Die „Vierte Welt“, ein Ort für Performance und Diskurs in Berlin, befindet sich in einer entkernten Arztpraxis in der Kreuzberg Galerie, am Kottbusser Tor. Vergangene Woche stellte sich dort der Sozialwissenschaftler Oliver Nachtwey der Diskussion um sein letztes Jahr erschienenes Buch Die Abstiegsgesellschaft – über das Aufbegehren in der regressiven Moderne. An diesem Ort also, einem heruntergekommenen Bauwerk der ehemals sozialen Moderne, wo sich ein kämpferisch-kritischer Freiraum eingenistet hat, versammelten sich an diesem Abend etwa 60 Leute, um mit Nachtwey über die Thesen seines Buches zu diskutieren. Sie folgten der Einladung von Rahel Jaeggi, Professorin für Praktische Philosophie und Sozialphilosophie an der Humboldt-Universität.

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