Gefangen in Hartz IV

Als alleinerziehende Mutter gefangen in der Hartz-IV-Spirale. Im Gespräch erkundigte sich das Inforadio in der Arche in Berlin-Hellersdorf nach den Problemen mit dem vorhandenen System:

Die deutsche Wirtschaft brummt, überall werden Arbeitskräfte gesucht – von der Aushilfe bis zur Fachkraft. Und trotzdem gibt es 800.000 Langzeitarbeitslose. Welche Probleme haben diejenigen, die erst einmal in der Hartz-IV-Spirale stecken? Für den zweiten Teil ihrer Reportage hat Inforadio-Reporterin Sylvia Tiegs in Berlin und Potsdam nach Antworten gesucht.

Mittagszeit in der „Arche“ in Berlin-Hellersdorf. Die Kantine des christlichen Kinder- und Jugendhilfswerks ist gut besucht, heute gibt’s Kürbissuppe. Wie immer kostenlos. Die „Arche“ versteht sich als Anlaufstelle für Familien, die wenig haben. Nicole zählt sich dazu. Die 31-Jährige zieht alleine fünf Kinder groß: „Der Jüngste ist anderthalb, die Älteste ist zehn.“

Ihre beiden Kleinsten hat Nicole zum Mittagessen in die „Arche“ mitgebracht; die Jungs sitzen fröhlich in ihren Hochstühlen und manschen in der Suppe rum. Aus eigener Kraft kann ihre Mutter sie nicht ernähren, Nicole und ihre Kinder leben komplett vom Staat: „Momentan von Hartz IV, Kindergeld und Unterhaltsvorschuss für die Kinder.“

Mit dem Vater der Kinder wohnt Nicole nicht zusammen, er kümmere sich aber – sagt sie. Als Lagerarbeiter verdiene er zu wenig, um sie finanziell zu unterstützen. Deshalb der Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt. Hartz IV bezieht die junge fünffach-Mutter, obwohl sie gerne arbeiten gehen würde. Aber sie kann nicht: „Mein Hauptproblem ist: Kita-Gutscheine habe ich für alle Kinder – und finde einfach keine Plätze.“

Weiterlesen

Berliner CDU-Politiker: Hartz IV bei Job-Ablehnung streichen

Der „rbb“ berichtet:

Während in der SPD über die Abschaffung von Hartz IV nachgedacht wird, kommen Stimmen aus der CDU, die Sanktionen zu verschärfen. Der Berliner Wirtschaftspolitiker Christian Gräff schlägt vor, die Bezüge für unter 50-Jährige zu streichen, wenn sie einen Job ablehnen.

Berliner Wirtschaftspolitiker der CDU wollen härtere Sanktionen für junge Hartz-IV-Empfänger. Wenn Menschen unter 50 Jahren ein Jobangebot ablehnten, sollten ihnen die Sozialleistungen komplett gestrichen werden, forderte der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der Berliner CDU, Christian Gräff, am Donnerstag. Hintergrund sei die gute Situation am Arbeitsmarkt.

Für Unternehmen sei es derzeit schwierig, Fachkräfte zu finden, erklärte der CDU-Abgeordnete Gräff in einem Schreiben. „Es ist bei der derzeitigen Situation am Arbeitsmarkt nicht einzusehen, dass Menschen, die 25 oder auch 45 Jahre alt sind, zu Hause sitzen und Hartz IV beanspruchen können.“

Weiterlesen

Raus aus dem tiefen, dunklen Loch

Langzeitarbeitslose haben ihre eigene Gruppe im Stadtteilzentrum gegründet:

Marzahn. Es sei, als fiele man in ein tiefes, dunkles Loch und komme einfach nicht mehr heraus, obwohl man immerzu strample, sagt Gudrun B. Die Stimme der 53-Jährigen klingt brüchig, wenn sie über die Jahre ihrer Arbeitslosigkeit erzählt. Den letzten sozialversicherungspflichten Job hatte sie 2005. Seitdem hangelte sich die zu DDR-Zeiten als Facharbeiterin für Fernschreibverkehr Ausgebildete von Maßnahme zu Maßnahme, vom Bewerbungstraining zur Umschulung und zurück. Gebracht hat das alles wenig, einen festen Arbeitsplatz hat sie nie mehr gefunden. Auch, weil mit der langen Arbeitslosigkeit gesundheitliche Probleme begannen: „Du hast das Gefühl, Du bist überhaupt nichts mehr wert. Du traust Dich kaum noch aus dem Haus, fühlst Dich völlig hilflos“, sagt sie.

Weiterlesen

Wer Hartz IV bezieht, soll was tun

Die „taz“ berichtet:

Bremerhavener Agentur für Arbeit will in Pilotprojekt schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose entgeltfrei für Firmen und Kommunen arbeiten lassen.

In Bremerhaven soll Anfang 2018 ein Pilotprojekt zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit starten. Statt einfach nur zu Hause rumzusitzen, sollen Hartz-IV-EmpfängerInnen entgeltfrei in Firmen aushelfen oder öffentliche Grünanlagen pflegen. Ziel ist es, sie durch Arbeit in die Gesellschaft zu integrieren.

Dass das strukturschwache Bremerhaven schon länger ein Problem mit Langzeitarbeitslosigkeit hat, ist bekannt. Neu ist jedoch, dass sich die Bundesagentur für Arbeit selbst eingesteht, dass ihre Konzepte zur Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt nicht funktionieren. Auf der Pressekonferenz der Agentur für Arbeit Bremen/Bremerhaven, in der die aktuellen Arbeitsmarktzahlen für das Land Bremen vorgestellt werden sollten, räumte sie ein, dass es einen harten Kern von Langzeitarbeitslosen gibt, dem sie nicht helfen kann.

Weiterlesen

Arbeitsmarkt: Flüchtlinge in Förderkursen

Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt:

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland sinkt erneut: Erstmals seit 26 Jahren ist die Zahl auf unter 2,5 Millionen gefallen, sagt die Statistik der Arbeitsagentur. Viele sind aber verdeckt ohne Job.

Der Frühjahrsaufschwung und die starke Nachfrage nach Arbeitskräften machen es möglich: Erstmals seit 26 Jahren ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland auf unter 2,5 Millionen gefallen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im Mai dieses Jahres 2,498 Millionen Frauen und Männer ohne Job – immerhin 166 000 weniger als vor einem Jahr und 71 000 weniger als im April 2017. Die sogenannte Unterbeschäftigung hat sich jedoch nicht ganz so positiv entwickelt. In dieser Statistik zählt die BA zusätzlich diejenigen mit, die im Grunde genommen arbeitslos sind, aber nicht in der Arbeitslosenstatistik auftauchen, weil sie unter gesetzliche Sonderregeln fallen.

Weiterlesen

Marzahn: Berlins erstes Jobcafé für Langzeitarbeitslose eröffnet

Die „Berliner Woche“ berichtet:
Marzahn. Mit dem neuen Jobcafé wollen Jobcenter und Bezirksamt das Angebot für Langzeitarbeitslose verbessern. In entspannter Atmosphäre können diese nach Stellen suchen und mit Beratern sprechen.
Das neue Jobcafé befindet sich im Hochparterre des Jobcenters an der Rhinstraße 88. Langzeitarbeitslose können dort auch ohne Anmeldung vorbeischauen, an Computern die Stellenangebote checken und sich von Mitarbeitern bei der Arbeitssuche beraten lassen. Offiziell eröffnet wurde es am 19. Mai. Es ist das erste Jobcafé dieser Art in Berlin.
Das Jobcafé soll es Langzeitarbeitslosen erleichtern, mit den Mitarbeitern der Behörde ins Gespräch zu kommen und auch mal persönliche Probleme bei der Jobsuche anzusprechen. Wer ein konkretes Problem hat, kann sich beim Empfang melden und wird zu Ansprechpartnern weitergeleitet. Es gibt auch Beratung und Hilfestellungen zur Erstellung von Bewerbungsunterlagen. Diese können im Jobcafé auch gleich ausgedruckt werden.
 

Eröffnung des neuen JobCafés

Marzahn-Hellersdorf. Am Freitag, 19. Mai, ab 11 Uhr stellen Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Die Linke), Thomas A. Schneider, Geschäftsführer des Jobcenters Berlin Marzahn-Hellersdorf, und Shirin Khabiri-Bohr, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Berlin Mitte, das neue JobCafé des Jobcenters Marzahn-Hellersdorf der Öffentlichkeit vor.

In den neu gestalteten Räumen im Erdgeschoss des Dienstgebäudes Rhinstraße 88, 12681 Berlin, ist in den letzten Monaten ein niedrigschwelliges Angebot für arbeitssuchende Menschen entstanden. Es bietet die Gelegenheit, sich in entspannter Atmosphäre rund um die Themen Arbeit und Beruf zu informieren sowie mit Vermittlungsfachkräften des Jobcenters ins Gespräch zu kommen. Neben dem Empfang gibt es ein Großraumbüro mit Selbstinformationsplätzen, Bewerber-PCs und Kaffeeautomat. Auch ein Schulungs- und Besprechungsraum sowie drei Büroarbeitsplätze für die fachlichen Ansprechpartner/innen stehen zur Verfügung.

Weiterlesen

Job-Tandem: Warum Arbeitslose und Flüchtlinge sich in Berlin Jobs teilen

Die „Berliner Morgenpost“ berichtet über ein tolles Modellprojekt mit Geflüchteten und Langzeitarbeitslosen – vielleicht auch bald in Marzahn-Hellersdorf?:
An einem Lichtenberger Krankenhaus arbeiten Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge zusammen. Das Modell bringt Vorteile für beide Seiten.
Jens Ortmann ist sehr zufrieden. 15 Jahre lang war der Binnenschifffahrt-Matrose arbeitslos, musste sich mit kleinen Gelegenheitsjobs finanziell über Wasser halten. Seit Februar dieses Jahres ist er im Hol- und Bringedienst des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH) in Lichtenberg beschäftigt. Endlich wieder eine richtige Arbeit – Vollzeit, sozialversicherungspflichtig. Das Besondere an seiner neuen Tätigkeit: Ortmann ist Teil eines Job-Tandems. Sein Partner ist ein Flüchtling, Ali Tamo Hassan aus dem Irak.