Gedenken an die Novemberpogrome vor 80 Jahren in Marzahn-Hellersdorf

Bericht des Bündnis für Demokratie und Toleranz Marzahn-Hellersdorf zu den bezirklichen Aktivitäten im Rahmen der Gedenkwoche zum 80.Jahrestag der Reichspogromnacht:
 
Das Bündnis für Demokratie und Toleranz am Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf hatte aus diesem Anlass eine Gedenkwoche organisiert, die am 5.11.2018 mit einer Auftaktveranstaltung in der Ernst-Haeckel-Oberschule in Hellersdorf, einer Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, begann.
Eingeladen war dazu, Dotschy Reinhardt, eine Künstlerin und Vertreterin der Sinti und Roma in Deutschland, die mit ihren Liedtexten und klaren Worten noch einmal einen anderen Blickwinkel auf die Geschehnisse von damals und was sie für heute bedeuten, legte.  Der Abend wurde mit Musik und Gesprächsrunden gestaltet. In Interviews, die von Mitgliedern des Bündnisses mit Schüler*nnen und Lehrer*innen geführt wurden, berichteten sie voller Enthusiasmus dem Publikum von ihren phantasie- und ideenreichen Projekten, mit denen sie sich  schon seit vielen Jahren für einen freundlichen, toleranten, weltoffenen Bezirk engagieren. Im Interview zollte auch der anwesende BVV-Vorsteher Klaus-Jürgen Dahler den engagierten Lehrer*innen und Schüler*innen seinen Respekt und brachte die Erwartung an die Zivilgesellschaft zum Ausdruck, sich weiterhin dafür einzusetzen.
 

Ein Schüler sagte: „Israel gibt es doch gar nicht“

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet:

Die Zahl antisemitischer Vorfälle an Berliner Schulen steigt seit Jahren. Lehrkräfte lernen nun in Yad Vashem, wie man Schüler gegen Judenfeindlichkeit immunisiert.

Da stehen sie nun, in dem stockdunklen Raum mit den vielen Spiegeln. Irgendwo brennen Kerzen, aber man sieht sie nicht, nur leuchtende Punkte, die sich so oft spiegeln, dass man glaubt, mitten im Sternenhimmel zu sein. Alle paar Sekunden erscheint auf einer Leinwand das Gesicht eines Kindes, und eine Stimme sagt seinen Namen und sein Alter. Die Kinder wurden im Holocaust ermordet, nun erinnert diese Installation in der Gedenkstätte Yad Vashem an sie. Es lässt keinen unberührt, sich hier durchzutasten. Die Finsternis, die Namen, die Gesichter auf den Fotos, die etwas so Heutiges haben.

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Kein Vergessen

Via „Quartiersmanagement Mehrower Allee“:

m Rahmen der Gedenkwoche zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht, die im Bezirk vom Bündnis für Demokratie und Toleranz initiiert wurde, fand auch im Quartier Mehrower Allee eine Veranstaltung statt.  250 Schülerinnen und Schüler des Tagore-Gymnasiums sahen sich gemeinsam den Film „Hanna Ahrend“ an. Anschließend wurde in fünf Gruppen mit Bewohnerinnen und Bewohnern diskutiert. Moderiert wurden die Gesprächsrunden von Mitgliedern des Bündnisses. Das war wichtig, denn für manche Schülerinnen und Schüler war der Film etwas verwirrend und nicht ganz verständlich. Da in der Schule erst die Zeit bis zum Versailler Vertrag 1919 behandelt wurde, war es notwendig, den Zeitbezug von da an bis zum Prozess von Adolf Eichmann 1961, einschließlich der Zeit des Hitlerfaschismus, herzustellen.

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Erinnerung an die Pogromnacht 1938 im Berliner Tschechow Theater

Der „Kiezreporter“ berichtet:

Das „Bündnis für Demokratie und Toleranz am Ort der Vielfalt Marzahn-Hellersdorf“ hatte in Kooperation mit dem „Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf“ am 8. November 2018 zu einer Veranstaltung im Rahmen der Gedenkwoche „80 Jahre Reichpogromnacht“ in das Berliner Tschechow Theater eingeladen. Henny Engels (Sprecherin des Bündnisses) und Sabine Schwarz (Mitglied des Bündnisses, Fraktion Die Linke Marzahn-Hellersdorf) ließen einen besonderen Film Revue passieren, über den im Anschluß gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf, Wolfgang Brauer, diskutiert wurde.

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Nguyen Van Tu und Ingo Binsch: Von Nazis ermordet

Via „Tagesspiegel“:

Nguyen Van Tu aus Marzahn und Ingo Binsch aus Hellersdorf – zwei von mindestens 169 Menschen, die seit der Wiedervereinigung in Deutschland von Neonazis oder anderen extrem Rechten getötet wurden. Ihre Schicksale sind in einer interaktiven Karte dokumentiert, die aus jahrelangen Recherchen eines Teams um Tagesspiegel-Redakteur Frank Jansen hervorgegangen ist.

Der 29-jährige Vietnamese Nguyen Van Tu stirbt am 24. April 1992 in Marzahn durch einen Messerstich in die Lunge. Der 21-jährige Täter gibt an, der rechtsextremen DVU nahezustehen. Er wird am 8. Oktober 1992 vom Landgericht Berlin wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Als Tatmotiv stellt das Gericht Selbstjustiz vor dem Hintergrund fremdenfeindlicher Ressentiments fest.

Ingo Binsch wird am 5. November 2001 von drei jungen Männern in einem Hellersdorfer Plattenbau so massiv zusammengeschlagen, dass er wenige Stunden später einen tödlichen Herzinfarkt erleidet. Der Anlass: Der 36-Jährige schuldete einem der Täter 40 DM. Das Landgericht Berlin verurteilt die vorbestraften Rechtsextremisten zu mehrjährigen Haftstrafen. Ein rechtsextremes Motiv erkennen die Richter nicht. Nach einer Überprüfung des Falls durch Forscher der TU Berlin im Frühjahr 2018 wird der Fall durch das LKA Berlin als politisch motiviert eingestuft. Die Wissenschaftler hatten die laufend praktizierte Gruppengewalt in der rechtsextremen Szene sowie drei vorhergehende einschlägige Gewalttaten, bei denen die Täter genauso brutal vorgegangen waren, als ursächlich angesehen.

Quelle

Mehr dazu hier:

Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland seit der Wiedervereinigung

Stolperstein für Alexander Scheucher in der Hönower Straße

Pressemitteilung des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf:

Am* Montag, dem 3. September 2018, gegen 14:30 Uhr,* verlegte Gunter Demnig vor dem Haus Hönower Straße 213 in Mahlsdorf einen Stolperstein für Alexander Scheucher. Der Rabbiner Dr. Walter Rothschild nahm an der Verlegung teil und sprach im Rahmen der Verlegung das Kaddisch beziehungsweise das „El male rachamim“ („Gott voller Erbarmen“) für Alexander Scheucher.

Alexander Scheucher wohnte mit seiner Frau Agnes und seinem Sohn Ludwig mindestens seit 1926 in Mahlsdorf in der Hönower Straße 60, die ab 1938 zur Nummer 213 wurde. Er betrieb als Kaufmann mit seiner Frau bis 1933 einen Wäsche- und Trikotagen-Handel (Woll- und Kurzwaren) in der Blumenstraße 1 in Friedrichshain. Ab 1933 musste das Geschäft an den Wohnort verlegt werden und wurde dort bis zum Zwangsverkauf des Hauses 1940 geführt.

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Vor 75 Jahren begann die Deportation der Sinti und Roma aus Marzahn

Die „Berliner Woche“ schreibt:

Vor 75 Jahren, Anfang März 1943, wurde das Zwangslager für die Sinti und Roma nahe des heutigen S-Bahnhofes Raoul-Wallenberg-Straße offiziell aufgelöst. Für die meisten Internierten bedeutete das den Abtransport in das Vernichtungslager Auschwitz.

Daran erinnern zehn Gedenktafeln am heutigen Otto-Rosenberg-Platz nahe dem Übergang zum S-Bahnhof Raoul-Wallenberg-Straße. Diese zeigen Opfer der Verfolgung unter den Sinti und Roma während der Nazi-Zeit. Dokumente weisen auch auf die menschenunwürdige Behandlung hin, welche die Verfolgten an dem Platz erlitten.

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9.10.2017 Alice Salomon Hochschule Berlin: Auftaktveranstaltung „Rastplatz Marzahn“

Gemeinsam mit dem Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V. und der Alice Salomon Hochschule laden die spreeagenten ein:

Auftaktveranstaltung zur Theaterproduktion
RASTPLATZ MARZAHN
Eine auf Zeitzeugenerinnerungen basierende performative Rekonstruktion des Zwangslagers für Sinti und Roma in Marzahn-Hellersdorf

„Wir wurden nach Berlin-Marzahn verfrachtet. Das war 1936, vor der Olympiade. Die luden uns einfach ab. Wir wurden festgesetzt. Es hieß, keiner darf den Platz verlassen.“ (Otto Rosenberg)

Im Vorfeld der Premiere ihrer aktuellen Produktion am 18.10.2017 informieren die spreeagenten gemeinsam mit Zeitzeug*innen und Expert*innen über die Geschichte des ehemaligen Zwangslagers für Sinti und Roma. Im Dialog mit dem Publikum geben die spreeagenten gemeinsam mit dem Ensemble Einblick in den Entstehungs- und Probenprozess.

Mit: Petra Rosenberg, Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V.; Barbara Danckwortt, Historikerin; dem Künstlerischen Team und dem Ensemble der spreeagenten
Moderation: Susanne Chrudina, Paulina Papenfuß

Dank an Prof. Johanna Kaiser.

9.10.2017, 18:30 Uhr
Alice Salomon Hochschule Berlin, Audimax
Alice-Salomon-Platz 5, 12627 Berlin

RASTPLATZ MARZAHN ist eine Produktion der spreeagenten Berlin in Kooperation mit dem Theater o.N. und der Ernst-Haeckel-Schule.
Gefördert durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) und den Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung.
Unter der Schirmherrschaft von Petra Rosenberg, Vorsitzende Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V.

Quelle

Weitere Aufführungen im Eastend in Hellersdorf am 18. und 19.10.2017 – FB-Event hier.

18.9.2017 Poelchaustraße (Marzahn-Mitte): Einladung zur Übergabe der Poelchau-Erinnerungsstele

Würdigung des Gefängnis- und Sozialpfarrers Harald Poelchau (1903–1972) und seiner Frau Dorothee (1902-1977)

Öffentliche Veranstaltung zur Übergabe der Poelchau-Erinnerungsstele am Montag, 18. September 2017

Programm:

ab 14.00 Uhr im Victor-Klemperer-Kolleg (Martha-Arendsee-Straße 15) mit Gesprächen,
Getränken und Imbiss, dann
ab 14.45 Uhr thematischer Teil,
etwa ab 16.30 Uhr Übergabeakt am Ort der Erinnerungsstele (Poelchaustraße, Ecke Märkische
Allee).

Beiträge des Victor-Klemperer-Kollegs, der Poelchau-Schule (Sportschule im Olympiapark) und des Wilhelm-von-Siemens-Gymnasiums (Biesdorf),
Referate und Grußworte u. a. von Dagmar Pohle (Bezirksbürgermeisterin), Harald S. Poelchau (in den USA lebender Sohn) und Dr. Christian Stäblein (Propst der Evangelischen Kirche).

Orte: Victor – Klemperer – Kolleg und Erinnerungstele

weitere Informationen und Programm

Veranstalter

Telefon: 030 / 4261228
E-Mail: huelsemann-beratung@t-online.de
Website: Ökumenische Forum Berlin-Marzahn

Schüler pflegen die Gräber von NS-Zwangsarbeitern

Gemeinsam die Erinnerung wachhalten. Tadeusz Luczak, geboren 1916, war ein Zwangsarbeiter unter dem Nazi-Regime. Am 24. Januar 1944 starb er auf dem Bahnhof Kaulsdorf in Berlin. „Schädelzertrümmerung“ schrieb die Charité in den Totenschein. Seine letzte Ruhe fand er auf dem St.-Hedwig-Friedhof in Hohenschönhausen. Schüler des Ardenne-Gymnasiums aus dem Ort pflegen dort seit zehn Jahren die Gräber. Am Freitag, 8. September, befreien sie die Grabsteine von Moos – auch ein wertvoller Beitrag zum Aktionstag „Gemeinsame Sache“:

Schüler des Ardenne-Gymnasiums in Hohenschönhausen pflegen die Gräber von NS-Zwangsarbeitern.

Tadeusz Luczak wurde am 5. Februar 1916 in Glowno geboren. Am 24. Januar 1944 starb er als Zwangsarbeiter auf dem Bahnhof Kaulsdorf in Berlin. Die Gerichtsmedizin an der Charité trägt „Schädelzertrümmerung“ als Todesursache ein. Was genau passierte, weiß niemand. Seither befindet sich Luczak’ Grab auf dem St. Hedwig-Friedhof in Hohenschönhausen. Hier ruhen 1 626 Frauen, Männer und Kinder, die unter den Nationalsozialisten im Raum Berlin Zwangsarbeit leisten mussten.

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