Antifaschismus in der DDR »Manche jungen Menschen sahen keine Perspektive«

Die „Junge Welt“ schreibt:

Antifaschismus war in der DDR nicht nur verordnet. Auf größer werdende Neonazigruppen war man jedoch nicht vorbereitet. Ein Gespräch mit Hans Bauer

Sie kommen aus einfachen Verhältnissen und waren mehr als 20 Jahre lang Staatsanwalt in der DDR. Wie kam es dazu?

Meine Mutter war Spinnerin und hat mich 1941 zur Welt gebracht. Mein Vater starb sechs Jahre später. Nach dem Abitur bin ich 1959 freiwillig zur NVA (Nationalen Volksarmee, jW) gegangen, und weil ich mich schon früh für Kriminalistik interessierte, bewarb ich mich unter anderem für ein Jurastudium. Als ich noch in der Armee war, bekam ich meine Zulassung und studierte von 1961 bis 1965 Rechtswissenschaften. Von 1966 bis zum 3. Oktober 1990 war ich Staatsanwalt auf verschiedenen Ebenen: beim Kreis, beim Bezirk und dann bei der Generalstaatsanwaltschaft. Diese Entwicklung eines Arbeiterkindes und die Brechung des bürgerlichen Bildungsprivilegs – auch das war ein Stück DDR.

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2019 kommen sie nicht in Frieden

Der „Freitag“ schreibt:

Abermals werden die Ideen der mutigen DDR-Bürgerrechtler vereinnahmt. Diesmal von rechts

Vollende die Wende“, „Werde Bürgerrechtler“: Die rechtsradikale AfD müht sich mit aller Macht, den Aufbruch in der DDR für sich zu reklamieren. Die Landtagswahlen im Osten als Wiederholung, als später Vollzug von 1989?

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Max Annas: „Morduntersuchungskommission“: Der Tote am Bahndamm

Via „Deutschlandfunk“:

Welche Rolle spielten Neonazis in der DDR? Offiziell keine. Inoffiziell gab es auch im Honecker-Staat gewaltbereite Rechtsradikale. Max Annas erzählt von diesem dunklen DDR-Kapitel. Am Anfang steht der Mord an einem afrikanischen Vertragsarbeiter – der auf einem realen Fall basiert.

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Zielobjekt Rechts – Wie die Stasi die westdeutsche Neonaziszene unterwanderte

Via „Antifa-Infoblatt“:

Am Vormittag des 30. November 1982 öffnet sich eine elektrisch betriebene Tür der Haftanstalt im niedersächsischen Celle. Ein mittelgroßer junger Mann, 27 Jahre alt, tritt heraus. Er ist etwas füllig um die Hüften, hat ein rundes Gesicht unter kurzgeschnittenem dunklem Haar. Der Mann ist Michael Kühnen, der gerade eine vierjährige Haftstrafe wegen Volksverhetzung und Verbreitung von neofaschistischen Propagandamaterialien abgesessen hat. Im sogenannten Bückeburger Prozess 1978/79, dem ersten Strafverfahren in der Bundesrepublik, in dem Rechtsextremisten als Terroristen verurteilt wurden, war er mit der geringsten Strafe aller sechs Angeklagten davongekommen. Vor den Mauern der Justizvollzugsanstalt Celle I blickt sich Kühnen suchend um, dann entdeckt er ein Taxi mit Braunschweiger Kennzeichen. Kühnen geht zielsicher auf das Fahrzeug zu, steigt ein und fährt los. Irgendwann an diesem Tag wird er das Taxi in Hamburg wieder verlassen. Wie lange die Fahrt dauert, was in dem Auto besprochen wird und ob man vielleicht sogar eine Pause unterwegs einlegt, ist nicht bekannt. Nur das Kennzeichen des Taxis ist überliefert: BS-EK 528.

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Was treibt Jugendliche in den Extremismus?

Der „Tagesspiegel“ berichtet:

Die Berliner Künstlerin Henrike Naumann untersucht die Radikalisierung junger Menschen im Osten. Sie will Klischees überwinden. Eine Begegnung.

Den Stuhl mit dem Leopardenplüsch auf der Sitzfläche hebt Henrike Naumann schwungvoll hoch, platziert ihn an einem fliederfarbenen Kunststofftisch und setzt sich vor eine grüne Vase, die aussieht wie eine geschälte Zucchini. Den Fernseher daneben ignoriert sie. Es läuft der Auftritt einer Tingeltangel-Combo, die zu Elektrobeats ein Pionierlied aus der DDR veralbert. Den einzigen Ruhepunkt in der postmodernen Farb- und Formhölle, die sie in der Berliner Galerie KOW aufgebaut hat, verkörpert Naumann selbst, mit dunklem Pagenschnitt, schwarzem Pulli, schwarzer Hose. „Die Besucher dürfen sich so unsicher fühlen, wie ich mich fühle“, sagt sie. „Es geht mir darum, Überzeugungen neu zu erarbeiten.“

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„Wir können uns von der DDR-Bauweise eine Platte abschneiden“

Der „Tagesspiegel“ schreibt:

Der Architekt Martin Maleschka erforscht das baukünstlerische Erbe der DDR. Ein Gespräch über Wohnungsbau und verlorene Kunst in Großsiedlungen wie Marzahn.

Herr Maleschka, im Berliner Nordosten reihen sich auf vielen Quadratkilometern ein Plattenbau an den nächsten. Würde man die Berliner fragen, würden wohl viele am liebsten die Abrissbirne bestellen. Sie nicht, woher kommt Ihre Liebe für die Platte?

Ich bin selbst in einer Platte aufgewachsen, sie ist meine Heimat, sozusagen. Eine verlorene Heimat allerdings: 2004 wurde das Gebäude in meiner Heimatstadt Eisenhüttenstadt abgebrochen und nun suche ich diese verlorene Architektur bis heute in anderen Städten.

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Jahrzehntelanger Kampf um Akzeptanz

Die „Deutsche Welle“ berichtet:

Vor 40 Jahren versprach die DDR Vertragsarbeitern aus Afrika eine gute Ausbildung und Jobs. Doch für viele sah die Realität anders aus. Zwei Geschichten über falsche Versprechungen, Erfolg und den Kampf gegen Rassismus.

„Man muss sehr geduldig und tolerant sein und sich aktiv in die deutsche Gesellschaft einbringen“ – diesen Tipp gibt Sozialarbeiter Ibraimo Alberto Menschen, die neu nach Deutschland kommen. Dabei hat er hier selbst immer wieder Ungeduld, Intoleranz und Rassismus erleben müssen, in den fast 38 Jahren, die er nun schon in Deutschland lebt.

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Keine Gleichsetzung von Verbrechen des Nationalsozialismus und der DDR

Via „Beltower News“:

Die Fachtagung „Der rechte Rand der DDR-Aufarbeitung“ in den Räumen der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin sorgte im Vorfeld für Aufregung und war praktisch der Anstoß für eine konstruktive Kontroverse zu der Frage, wie eine sachliche Geschichtsaufarbeitung möglich ist.

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„Nach Auschwitz: Schwieriges Erbe DDR“ Das neue Buch von Anetta Kahane

Die „Berliner Zeitung“ berichtet:

Anetta Kahane ist eine mutige Frau. Sie scheut sich nicht, die Dinge so auszusprechen wie sie sie sieht. Auch wenn das manch einem nicht gefällt. Das bekam die Mitbegründerin und Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung in den vergangenen Jahren immer wieder zu spüren. Oft zieht Anetta Kahane die Wut auf sich, weil ihre Stiftung gegen Rassismus und neonationalistische Ressentiments Position bezieht.

Das steht auch bei ihrem neuen Buch zu befürchten. „Nach Auschwitz: Schwieriges Erbe DDR“ ist der Titel des Werks. Verkürzt gesagt, geht es darin um einen Zusammenhang zwischen einer fehlenden Aufarbeitung des Nationalsozialismus in der DDR und heutigen Phänomenen wie der völkischen Pegida und der AfD. Es ist zu erwarten, dass auch diese Erwägungen Protest auslösen werden.

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Was wir vom Osten lernen können?: Wie man Städte familienfreundlich plant

Die „Berliner Zeitung“ berichtet:

Vor ein paar Tagen fragte mich jemand, ob ich in der DDR nicht eine schwere Kindheit hatte. Schon in der Frage klang die erwartete Antwort mit: Schwere Kindheit, schweres Leben, gut, dass es vorbei ist. Ich kenne das. Mein Leben in der DDR wird oft von anderen bewertet, und lange habe ich diese Bewertung für mich selbst übernommen, habe mir und meinen Erinnerungen nicht getraut. Es ist erstaunlich, wie das geht, dass es überhaupt geht.

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