Antifaschismus in der DDR »Manche jungen Menschen sahen keine Perspektive«

Die „Junge Welt“ schreibt:

Antifaschismus war in der DDR nicht nur verordnet. Auf größer werdende Neonazigruppen war man jedoch nicht vorbereitet. Ein Gespräch mit Hans Bauer

Sie kommen aus einfachen Verhältnissen und waren mehr als 20 Jahre lang Staatsanwalt in der DDR. Wie kam es dazu?

Meine Mutter war Spinnerin und hat mich 1941 zur Welt gebracht. Mein Vater starb sechs Jahre später. Nach dem Abitur bin ich 1959 freiwillig zur NVA (Nationalen Volksarmee, jW) gegangen, und weil ich mich schon früh für Kriminalistik interessierte, bewarb ich mich unter anderem für ein Jurastudium. Als ich noch in der Armee war, bekam ich meine Zulassung und studierte von 1961 bis 1965 Rechtswissenschaften. Von 1966 bis zum 3. Oktober 1990 war ich Staatsanwalt auf verschiedenen Ebenen: beim Kreis, beim Bezirk und dann bei der Generalstaatsanwaltschaft. Diese Entwicklung eines Arbeiterkindes und die Brechung des bürgerlichen Bildungsprivilegs – auch das war ein Stück DDR.

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Kundgebung und Veranstaltungsreihe anlässlich des 74. Jahrestages der Befreiung Marzahns

Am Abend des 21. April 1945 begann die letzte Etappe auf dem Wege der Befreiung Berlins von der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus. Die ersten sowjetischen Einheiten der 5. Stoßarmee unter dem Befehl von Generaloberst Nikolai Erastowitsch Bersarin überschritten in der Nacht zum 22. April 1945 bei Marzahn die Stadtgrenze. Die Rote Armee kämpfte sich von allen Seiten ins Zentrum vor bis am 2. Mai 1945 Berlin endgültig kapitulierte. Mit der Befreiung der Hauptstadt war das Ende der Nazi-Diktatur nur noch eine Frage von Tagen.

Am 8. Mai 1945 kapitulierten nach sechs Jahren Krieg alle Teile der Armee des nationalsozialistischen Deutschen Reiches vor den Alliierten. Der zweite Weltkrieg und die institutionelle Herrschaft der NS-Eliten waren damit beendet.

Das Haus in der Landsberger Allee 563 ist seit vielen Jahrzehnten ein Ort des Gedenkens an die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft und zugleich Danksagung an die Anti-Hitler-Koalition und im Besonderen an die Rote Armee.

Wir möchten an diesem Tag an die Verbrechen der Nazis erinnern und den Befreier*innen danken. Wir möchten der Opfer der 12-jährigen NS-Herrschaft gedenken und uns gemeinsam gegen jede Form von neu aufkommenden Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus wenden.

Wir sagen ausdrücklich Danke an alle, die die Befreiung ermöglicht haben.

(Quelle: Antifaschistische Nachrichten Marzahn-Hellersdorf)

Zum FB-Event hier.

„Im April und Mai 2019 wird der 74. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus gefeiert. Diesen Jahrestag wollen wir mit unseren Freund*innen aus Lichtenberg begehen. Dazu finden verschiedene Aktionen rund um das Thema Befreiung statt. Eine Übersicht aller Veranstaltungen findet ihr auf dem Blog des Bündnisses „Kein Vergessen“.“

„Unteilbar“: »Natürlich wird da was folgen«

Das „Neue Deutschland“ schreibt:

»Wir sind jetzt erst mal am Durchatmen«, sagt Anna Spangenberg, die Sprecherin des Unteilbar-Bündnisses. Das Bedürfnis nach Reflexionszeit kann man der Aktivistin nicht verübeln. Eine Viertelmillion Menschen sind vergangenes Wochenende in Berlin für eine offene und solidarische Gesellschaft auf die Straße gegangen. Es war einer der größten Proteste der vergangenen Jahre in Deutschland. Und auch der Kulminationspunkt einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Bewegungen, die seit dem Frühsommer in verschiedenen Städten für ihre Anliegen gekämpft haben. Am 13. Oktober kamen diese Menschen und noch viele weitere auf einer Strecke von fünf Kilometern zusammen. Mit Hilfe von 50 Lautsprecherwagen sendeten sie ein deutliches »Stopp«-Signal: für ein Ende der sozialen Kälte, für ein Ende von Rassismus und Rechtsruck. Das Hintergrundrauschen des Hasses, das sich längst eingenistet hat, konnte an diesem Samstag übertönt werden. Die Abwärtsspirale des öffentlichen Diskurses stoppte kurzzeitig, die unermüdlichen, aber stillen Engagierten wurden sichtbar. Doch was folgt?

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Gemeinsam gegen Rechts?

Sehr lesenswerter Beitrag aus dem „Neuen Deutschland“ zum schwierigen Verhältnis zwischen Antifa-Gruppen und der Zivilgesellschaft:

Seit nunmehr 30 Jahren gibt es in Ostdeutschland eine starke, verfestigte rechte und neonazistische Szene. Sie entstand in einem Klima des nationalistischen und völkischen Aufbruchs, der vielerorts in den Post-Wende-Jahren herrschte. Freilich liegen ihre Anfänge weiter zurück – in den 80er Jahren der DDR.

Die Szene oder vielmehr das rechte Milieu umfasst rechte Parteien, neonazistische Kameradschaften, Vereine, Initiativen und nicht zuletzt ein mehr oder weniger offenes Bündnis mit anderen Kräften, die von konservativem Milieu über Polizei und Justiz bis hin zum Verfassungsschutz reichen. Umklammert wird dieses unheimliche Bündnis aus einem rassistischen und nationalistischen Normalzustand, der in vielen Köpfen beheimatet ist. Linke Gruppen gaben diesem Erscheinungsbild einen treffenden Titel: rechter Konsens.

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