Projekt Ponte startet in Hellersdorf-Nord und Marzahn-NordWest!

Mitte November 2016 hat die interne Steuerungsrunde des Projekts Ponte zusammen u.a. mit dem Integrationsbeauftragten Herrn Dr. Bryant und dem Flüchtlingskoordinator Herrn Cárdenas Ruiz für den Bezirk Marzahn-Hellersdorf beschlossen, dass das Projekt in den Jahren 2017 und 2018 mit seiner interkulturellen Orientierungs- und Nachbarschaftsvermittlung in den Sozialräumen rund um die im Oktober 2016 eröffnete Gemeinschaftsunterkunft (Tempohome) in der Zossener Straße in Hellersdorf-Nord und rund um die noch im Bau befindliche Gemeinschaftsunterkunft (MUF) in der Wittenberger Straße 16 in Marzahn-Nord ansetzen soll.

MUF Wittenberger Straße 16 (Marzahn-Nord)Grundlage für diese Entscheidung war eine  ausführliche Analyse der Sozialdaten, eine Wahlanalyse, die Auswertung von verschiedenen Expert*innengesprächen im Bezirk MaHe, die Teilnahme an Vernetzungsrunden und die Recherche von wissenschaftlichen Studien bis hin zur Auswertung aktueller Zeitungsartikel- bzw. Reportagen über den Bezirk Marzahn-Hellersdorf .

Unsere Analyse des Gesamtbezirks Marzahn-Hellersdorf hat  u.a. einen sich verfestigenden Segregationsprozess in den Großsiedlungsgebieten bestätigen können. In Stadtteilen wie Marzahn-Nord und Hellersdorf-Nord haben sich im Gegensatz zu den Siedlungsgebieten die sozialen Problemlagen (insbesondere auf der Ebene der Transfergeldbezieher*innen und der Kinderarmut) trotz kleiner Lichtblicke weiter verfestigt.

Durch die Mietpreisexplosion im Innenstadtbereich (Gentrifizierung = Vertreibung sozial Schwächerer) von Berlin und den damit einhergehenden Zuwachs an sozial eher schwachen Familien plus des Zuzuges zahlreicher Geflüchteter Menschen insbesondere auch in Marzahn-Nord und Hellersdorf-Nord, besteht die Gefahr einer weiteren sozialen Polarisierung in den beiden Stadtteilen. Unsicherheiten, wachsender Rassismus und Rechtsextremismus und auch die Wahlerfolge der AfD im Herbst 2016 sind u.a. die Folge. Die eigentlich gute soziale Infrastruktur und die zahlreichen sozialen Angebote werden von den Einwohner*innen im Sozialraum unzureichend angenommen.

Die Arbeit des Projekts Ponte besteht in den kommenden zwei Jahren aus drei Hauptherausforderungen:

1.: Aktive Nachbarschaftsstrukturen als Teil einer vielfältigen und demokratischen Stadtgesellschaft zu entwickeln und aus- bzw. aufzubauen

2.: Partizipationsmöglichkeiten für die geflüchteten Menschen zur Gestaltung des Sozialraums bzw. zielgruppenspezifische Angebotsstrukturen ermöglichen

3.: Der bestehenden sozialen Polarisierung entgegenzuwirken, indem das Projekt Ponte ein soziales Miteinander – auch in der Interessenumsetzung der Betroffenen gegenüber der Politik – aller von sozialen Benachteiligungen betroffenen Menschen im Kiez (Einheimische, Migrant*innen und Geflüchtete) ermöglicht.

Die Maßnahmen zur Umsetzung der Hauptherausforderungen bestehen u.a. in der Stärkung des nachbarschaftlichen Zusammenhalts und in der Aktivierung und Beteiligung der Bewohner*innen:

Vorhandenes Engagement für Geflüchtete in der Nachbarschaft soll stärker genutzt und bestehende Ressentiments abgebaut werden. Die Vernetzung von Anwohner*innen, Unterkunftsbewohner*innen und lokalen Einrichtungen ermöglicht den Austausch und Kennen Lernprozess zwischen Geflüchteten und Nachbar*innen und entwickelt Ideen für gemeinsame Aktivitäten zur Verbesserung des gemeinsamen Lebensumfeldes, die mit Mitteln aus dem Projekt umgesetzt werden können. Gemeinsam engagieren sich Geflüchtete, bereits hier lebende Migrant*innen (insbesondere Vietnames*innen und Russlanddeutsche) und alteingesessene Bewohner*innen für die Nachbarschaft, unterstützen sich gegenseitig und verbringen Freizeit miteinander. Die Nachbarschaft profitiert von neuen sozio-kulturellen Angeboten, der öffentliche Raum wird ein einladender Ort der Begegnung.  Es geht darum die neuen Nachbar*innen willkommen zu heißen und dauerhaft über den Aufbau sozialräumliche Bindungen in die jeweiligen Stadtteile zu integrieren.

Die Geflüchteten werden dazu aktiviert, ihre Potenziale und Fähigkeiten in die Gesellschaft einzubringen. Es können z.B. Sprachtandems entstehen, gegenseitige Unterstützung bei der Alltagsbewältigung und Engagement in Vereinen und Initiativen. Das Leben in der Gemeinschaftsunterkunft kann möglicherweise durch einen selbstorganisierten Bewohner*innenrat verbessert werden. Dieser Prozess sollte aber von den geflüchteten Menschen selbstständig angestoßen werden und nicht von oben herab angeleitet werden.

Das Projekt Ponte begleitet und unterstützt in Zusammenarbeit mit weiteren Akteur*innen die  möglichen Beteiligungsformen, Projekte, Angebote und Initiativen im Stadtteil, stößt Prozesse an und vernetzt schon vorhandene und neue lokale Einrichtungen und Akteur*innen.

„Ziel ist es, eine funktionierende Nachbarschaft im Umkreis von großen Flüchtlingsunterkünften zu schaffen, um der Gefahr der Ghettobildung entgegenzuwirken und Geflüchtete optimal in die Gesellschaft zu integrieren.“ (Quelle: „Masterplan Integration und Sicherheit“, S.77/78) Ein weiteres wichtiges Ziel ist hierbei auch die Übernahme von Verantwortung für die Nachbarschaft. Dialog & Aktivitäten!