„Obdachlose werden meistens von Rechten angegriffen“

„Obdachlose, Angriffe auf sie, Geflüchtete und Rechte. Wichtige Worte und ein sehr gutes Interview mit einem wahrhaft berufenen Mann aus der Arbeit mit diesen Menschen. Danke Dieter Puhl und Bahnhofsmission Berlin Zoologischer Garten“:

Dieter Puhl leitet die Bahnhofsmission Zoo in Berlin. Angriffe auf Obdachlose gehören für ihn zum Alltag. Auch er ist über den aktuellen Fall empört, empfindet viele Äußerungen aber als heuchlerisch: Sonst interessiere sich kaum jemand für Obdachlose.

Herr Puhl, Sie setzen sich als Leiter der Bahnhofsmission Zoo in Berlin seit Jahren für Obdachlose ein. Wie wütend sind Sie, nachdem sieben junge Männer im U-Bahnhof Schönleinstraße versucht haben sollen, einen Obdachlosen anzuzünden?

Von Wut würde ich nicht sprechen, aber die Empörung ist da, schon immer. Ich mache meinen Job seit 24 Jahren und seitdem gehören Übergriffe auf Obdachlose leider zu meinem Alltag. Ich habe gestern mit mehreren weiblichen Gästen gesprochen, von denen würde sich keine nachts irgendwo alleine in Berlin hinlegen. Und das hat nichts mit Flüchtlingen zu tun, das ist schon lange so. Wenn Obdachlose genügend sichere Schlafplätze hätten, würde es keine Vorfälle geben. Meine Wut bezieht sich darauf, dass wir täglich an Leuten vorbeigehen, die verfaulen. Und ich überlege mir diese Formulierung sehr genau. Meine Seele versteht die Teilnahmslosigkeit nicht. Das macht mich wirklich wütend. Durch den Tiergarten irren Tag für Tag demenzkranke Obdachlose. Meine Sie, die Leute, die jetzt so empört über den Angriff auf den Obdachlosen sind, helfen denen?

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