In Gropiusstadt lebt es sich prekär

Via „Tagesspiegel“:

Kinderarmut, (Langzeit-)Arbeitslosigkeit und Bezug von Sozialleistungen bei Nicht-Arbeitslosen: Nach diesen Parametern misst das Monitoring „Soziale Stadtentwicklung“ die soziale Lage in der Stadt. Damit erhebt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Daten, die Auskunft über die aktuelle Lage in den Kiezen und deren Entwicklung in den Jahren 2015 und 2016 geben können. Das Ergebnis: Die soziale Benachteiligung in Berlin ist gesunken. Der Anteil an Arbeitslosen und Langzeitarbeitslosen habe sich seit 2006 halbiert, auch die Kinderarmut sinke kontinuierlich. Klingt erst mal gut. Wirft man jedoch einen detaillierten Blick in die Kieze, vor allem außerhalb des S-Bahn-Rings, sieht die Situation gleich anders aus.

Neukölln ist dem Bericht zufolge ein umfassendes Problemkind. Die Buschkrugallee Nord, Gropiusstadt Nord und das Gewerbegebiet Köllnische Heide werden in dem Bericht neu als „Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf“ eingestuft. Hier ist der soziale Status der Bevölkerung besonders niedrig, teilweise auch mit sinkender Tendenz. Gebiete mit sogenanntem Geschosswohnungsbau seien besonders prekär aufgestellt – kein Wunder also, dass der Süden des Bezirks als besonders armutsgefährdet eingeschätzt wird. Doch auch Nordneukölln gilt neben den Kiezen Moabit, Wedding, Spandau-Mitte und Kreuzberg-Nordost weiterhin als „sozial schwaches“ Gebiet. An den räumlichen Unterschieden innerhalb Berlins hat sich also wenig geändert. In manchen Teilen Nordneuköllns weist der Bericht aber Verbesserungen in Sachen Arbeitslosigkeit und Kinderarmut auf. Auffällig ist auch: Der Westen steht schlechter da als der Osten.

Eine besondere Gefahr sei die „räumliche Peripherisierung“, also die Verdrängung armer Berliner*innen an den Stadtrand. Doch was passiert, wenn Menschen selbst in diesen Gebieten von steigenden Mieten bedroht werden? Genau das könnte ironischerweise bald in Gropiusstadt der Fall sein. Die Deutsche Wohnen hat angekündigt, ihren Wohnungsbestand dort zu modernisieren, Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) schätzt die Zahl der betroffenen Wohnungen auf 1000 Stück. Da läuten gleich Alarmglocken, denn die Angst vor steigenden Mieten nach den Umbaumaßnahmen bei den Anwohner*innen ist groß: „Die Bewohner*innen fragen sich, wie sie das schaffen können. Man hat ihnen die Angst deutlich angesehen“, berichtet Biedermann von einer Informationsveranstaltung zu dem Thema in Gropiusstadt am vergangenen Mittwoch. Dort sicherte er zu, in dem Kiez eine offene Beratungsstelle zu eröffnen, die aus zusätzlichen Mitteln vom Land Berlin finanziert werde. Die Ausschreibung ist momentan erst in Vorbereitung, Biedermann hoffe aber, dass man im Herbst 2018 loslegen könne.

Doch Modernisierungen müssen kein Grund zu voreiligem Fatalismus sein: Auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft degewo hat in den letzten zehn Jahren ihren Bestand in der Gropiusstadt energetisch modernisiert. Da fielen die Mietsteigerung deutlich niedriger aus als die befürchteten zwei Euro pro Quadratmeter, so Biedermann. „Aber wir werden ein Auge darauf haben, auch wenn es nicht ganz einfach ist, einzugreifen: Der Milieuschutz taugt nur bedingt bei Großsiedlungen.“ Bei Altbauten komme der etwa zum Einsatz, wenn Grundrisse und Wohnungszuschnitte verändert würden, um Wohnungen vermeintlich attraktiver zu machen. „Diese Frage stellt sich für Großsiedlungen gar nicht. Aber wir prüfen momentan, welche Maßnahmen man in Gropiusstadt einsetzen kann“, zeigt sich Biedermann optimistisch.

Quelle

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