Berliner Jugendclubs in Gefahr: Jugend ohne Club

Der „Tagesspiegel“ berichtet:

Nach der Schule geht es in den Jugendclub. Dahin, wo Eltern nicht nerven und auch kein Lehrer; wo der Streit mit den Geschwistern weit weg ist; wo es etwas zu tun gibt. Zocken am PC, Kickern, vielleicht erste eigene Musik im Tonstudio aufnehmen.

400 öffentlich geförderte Jugendclubs gibt es in Berlin. Sie erreichen rund 60 000 Jugendliche und junge Erwachsene, die meisten von ihnen sind zwischen 14 und 27 Jahre alt. Manche Clubs gibt es erst seit zehn Jahren, wie das Sunshine Inn in der Weißen Siedlung in Neukölln. Andere haben eine Tradition als besetztes Haus aus der Nachwendezeit, wie das Unabhängige Jugendzentrum im Pankower Florakiez. Es sind Orte, die nicht nur wichtig sind für ihre Besucher, sondern auch für die Stadt und ihre Gesellschaft. Im Idealfall lernen die Jugendlichen hier, Verantwortung zu übernehmen – für ihre eigene Zukunft und für andere. Für viele ist der Club mit seinen Erziehern und Sozialpädagoginnen eine zweite Familie geworden, ein paar von ihnen erzählen auf diesen Seiten davon.

Hussein und Rosa, Kira, Tabea und Fabrizio haben in Jugendclubs Freunde gefunden – und eine Idee von dem, was sie irgendwann einmal beruflich machen möchten. Aus ihren Leben sind diese Orte nicht wegzudenken. Und doch sind sie in Gefahr. Denn die Einrichtungen sind personell unterbesetzt und chronisch unterfinanziert. Viele Sozialarbeiter arbeiten mehr als ihre regulär vergütete Arbeitszeit: Wenn die Jugendlichen Probleme haben, sind sie auch mitten in der Nacht erreichbar. „Die meisten Kinder- und Jugendzentren arbeiten unter furchtbar prekären Bedingungen“, sagt die SPD-Politikerin Mirjam Blumenthal, Vorsitzende des Jugendhilfe-Ausschusses in Neukölln. Die von den Bezirken organisierten Kinder- und Jugendreisen gibt es kaum noch. Jugendverbände als politisches Sprachrohr, aber auch als demokratische Spielwiese, haben es besonders schwer. Dabei lernen die jungen Erwachsenen gerade hier praktische demokratische Teilhabe und Selbstorganisation.

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